Ausbildung oder Studium – Was schützt später besser vor Arbeitslosigkeit?

Orientierungsberater Andreas PeezJonas L. aus Heilbronn sah sich immer als praktisch begabter Typ. Realschule, eine technische Ausbildung, später vielleicht noch eine Weiterbildung – das wäre seine Vorstellung von einer beruflichen Karriere gewesen. Doch seine Eltern bestanden auf ein Studium – denn sie waren der Meinung, dass nur ein Hochschulabschluss später die Sicherheit auf einen Job böte.

Heute sagt Jonas L.: „Ich verstehe, dass meine Eltern nur das Beste für mich wollten. Aber ich war einfach nicht der Typ fürs Studieren. Zweimal habe ich mein Studium abgebrochen und am Ende dann doch eine Ausbildung gemacht. Heute habe ich Kollegen, die jünger als ich sind und schon weiter in Ihrer Karriere, weil sie nicht so viel Zeit wie ich durch Abi und Studienabbrüche verloren haben.“

Orientierungsberater Andreas Peez aus München kennt Fälle wie den von Jonas L. gut aus seiner täglichen Beratungspraxis. Er stellt fest: „Dass man mit einem Hochschulabschluss besser vor Arbeitslosigkeit geschützt ist als mit einer Berufsausbildung, hat so verallgemeinert wahrscheinlich noch nie gestimmt. Heute stimmt es definitiv noch weniger.“

Und das belegen auch aktuelle Zahlen des OECD-Bildungsberichts: 83% aller Deutschen zwischen 25 und 34 Jahren, die eine Berufsausbildung absolviert haben, sind in Beschäftigung. Bei den Alterskollegen mit abgeschlossenem Studium sind es 87%. Beide Gruppen werden also nahezu gleich gut vom Arbeitsmarkt angenommen. Denn der Arbeitsmarkt brummt aktuell – und Fachkräfte werden häufig auf allen Ebenen gesucht.

Andreas Peez aus München ergänzt hierzu: „Am wichtigsten ist zunächst einmal die Passung zwischen der Person und dem Berufsfeld. Was kann ich gut, was ist mir später wichtig? Das sind Fragen, die sich in einer professionellen Berufsberatung klären lassen und dann zu konkreten Berufsbildern und Ausbildungswegen führen – welche zukunftsträchtigen Optionen hat die Person später dort in ihrem Bereich, und welche anderen Optionen sind eher kritisch zu betrachten?“

So gibt es durchaus Akademiker mit Top-Noten, deren Einstieg ins Berufsleben sich holprig gestaltet, weil der gewählte Studiengang kaum direkt klare Berufsfelder anspricht und so der Absolvent manchmal gar nicht weiß, wo er sich damit überhaupt erfolgreich bewerben kann – das kann längere Orientierungsphasen und Zufallsentscheidungen mit sich bringen, die später bisweilen zu Unzufriedenheit im Job führen, aber auch zu dem Gefühl, darin gefangen zu sein. Gleichzeitig gibt es viele nichtakademische Fachkräfte, die mit Leistung und Engagement überzeugen und es in der Hierarchie ihres Betriebes sehr weit bringen.

Eine Bevölkerungsgruppe jedoch ist tatsächlich viel stärker von Arbeitslosigkeit bedroht als alle anderen, und zwar die Personen ohne Abschluss (13% der Altersgruppe). Dies belegen ebenfalls die Zahlen der OECD: Das Risiko, ohne Job da zu stehen, ist hier um das Fünffache erhöht. Was die Arbeitsmarktfähigkeit betrifft, gilt zurzeit also Folgendes: Es ist nicht so wichtig, welches Niveau der Abschluss hat – aber es ist weiterhin sehr wichtig, einen Abschluss zu haben.

bildungsdoc®-Handbuch:

bildungsdoc® beantwortet die häufigsten Fragen zu:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.