Ausbildungsvergütungen: Auf dem Bau werden Azubis am besten bezahlt

Die Ausbildungsvergütungen in Deutschland sind sehr unterschiedlich. Das hängt nicht nur von der Branche ab, auch die Region ist mitunter entscheidend.

Die tariflich geregelten Ausbildungsvergütungen variieren von 332 Euro im privaten Verkehrsgewerbe Thüringen im 1. Ausbildungsjahr bis zu 1.460 Euro im Bauhauptgewerbe West im 4. Ausbildungsjahr. Dies geht aus einer Auswertung von Tarifverträgen in ausgewählten Wirtschaftszweigen und Tarifbereichen hervor, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung jetzt in Düsseldorf vorgelegt hat. Im vergangenen Jahr stiegen die Ausbildungsvergütungen überwiegend zwischen 2,4% (Energiewirtschaft Nordrhein-Westfalen, GWE-Bereich) und 10% (Gebäudereinigerhandwerk, gewerbliche Auszubildende Ost ohne Berlin-Ost). In einigen Tarifbereichen wurden keine Steigerungen vereinbart.

Innerhalb der Branchen gibt es zum Teil bundesweit einheitliche Ausbildungsvergütungen, es bestehen aber auch beträchtliche regionale Unterschiede (Stand: 01.05.2014). “Die aktuellen Ausbildungsvergütungen zeigen ähnliche Differenzierungen wie die Tariflöhne und -gehälter”, sagt WSI-Tarifexperte Dr. Reinhard Bispinck. “Neben bundeseinheitlichen Tarifverträgen gibt es solche mit starken regionalen Unterschieden, häufig verbunden mit einem West-Ost-, aber auch mit einem Süd-Nord-Gefälle” Legt man das 3. Ausbildungsjahr zugrunde, reichen die regionalen Differenzen bei den Vergütungen je nach Wirtschaftszweig von rund 100 bis zu 450 € im Monat:

Geringe Unterschiede

  • In der Metall- und Elektroindustrie fallen die regionalen Unterschiede mit bis zu 87 € relativ gering aus: Die tariflichen Ausbildungsvergütungen reichen von 974 € in Nordrhein-Westfalen bis zu 1.061 € in Baden-Württemberg.
  • In der chemischen Industrie sind die Abstände mit bis zu 84 € geringfügig kleiner: Im Osten beträgt die Ausbildungsvergütung 938 €, im Westen reicht sie von 936 € in Schleswig-Holstein und Bremen bis zu 1.020 € im Bezirk Nordrhein.
  • In der Gebäudereinigung variieren die Ausbildungsvergütungen bei den gewerblichen Auszubildenden zwischen 775 € im Osten und 880 € im Westen.

Größere Unterschiede

  • In der Textilindustrie reichen die Vergütungen von 750 € im Osten bis zu 960 € in Hessen (ab 18 J.).
  • Im Groß- und Außenhandel werden in Mecklenburg-Vorpommern 746 € gezahlt, in Hessen dagegen 1.000 €.
  • Im Hotel- und Gaststättengewerbe sind die Abstände ähnlich: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 580 €, in Bayern dagegen 869 €.
  • Im privaten Transport- und Verkehrsgewerbe bekommen die Auszubildenden in Thüringen 442 €, in Baden-Württemberg (o. Südbaden) haben sie Anspruch auf 890 €.

West/Ost

  • In manchen Tarifbereichen gibt es im Wesentlichen eine Differenzierung zwischen West und Ost, so z.B. im Bauhauptgewerbe. Die gewerblichen Auszubildenden erhalten im Westen 1.299 €, im Osten 1.017 €. Für Hamburg und Berlin gibt es Sonderregelungen. Einheitliche Vergütungen
  • Bundesweit einheitliche tarifliche Ausbildungsvergütungen gibt es u. a. bei Banken (1.000 €) und Versicherungen (1.007 €), in der Druckindustrie (956 €), in der Papierverarbeitung (945 €) sowie bei der Deutschen Bahn (877 €), der Deutschen Post (920 €), der Deutschen Telekom (880 €) und im öffentlichen Dienst (Bund, Gemeinden: 929 €, Länder: 911 €).

Das WSI-Tarifarchiv in der Hans-Böckler-Stiftung bietet zu den Ausbildungsvergütungen einen Online-Service an: Für 30 Wirtschaftszweige und Tarifbereiche können die tariflichen Ausbildungsvergütungen gegliedert nach Ausbildungsjahren abgerufen werden. Dabei werden auch die Unterschiede nach Bundesländern und Regionen sowie zwischen gewerblichen und kaufmännischen Auszubildenden aufgezeigt. Der Service ist kostenlos, die Daten werden ständig aktualisiert.

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