Solide oder unbrauchbar? Der Bachelor-Abschluss im Faktencheck

Orientierungsberater Andreas Peez

Orientierungsberater Andreas Peez

Zum Jahresende ließ das Bundesinnenministerium die Bombe platzen: Man würde auch künftig keine Beamten in den Höheren Dienst berufen, die lediglich über einen Bachelor-Abschluss verfügen. Und das gelte auch dann, wenn die Kandidaten schon berufserfahren sind.

Für all die, die dem Bachelor- und Master-System schon immer wenig abgewinnen konnten, war diese Nachricht natürlich ein gefundenes Fressen: Wenn selbst der Staat den Bachelor-Titel nicht als vollwertig anerkennt, wer soll es dann tun? Ist der Bachelor-Abschluss also nun wertlos oder doch eine gute Voraussetzung für eine berufliche Karriere? Zeit für einen Faktencheck mit Andreas Peez, Orientierungsberater aus München:

  • Die Umstellung auf das Bachelor- und Master-System hat die Mobilität der Studierenden deutlich verbessert. Kochte früher jedes Land (und innerhalb Deutschlands teilweise sogar jedes Bundesland!) sein eigenes Süppchen, so sind die Abschlüsse heute international besser vergleichbar und miteinander kombinierbar. Bachelor in Österreich und Master in den Niederlanden – in vielen Fällen heute kein Problem mehr.
  • Die Einführung des Bachelors hat für einen früheren Zugang zum Arbeitsmarkt gesorgt. Nach 13 Jahren Schule, Wehrdienst und einem mehr oder weniger gut strukturierten Diplom- oder Magisterstudium waren viele Hochschulabsolventen früher fast dreißig, bis sie ihre erste feste Stelle antraten. Und oft fehlte ihnen da sogar noch relevante Praxiserfahrung, sodass ihr erster Arbeitgeber sie quasi neu einlernen durfte. Dass diese Zeit vorbei ist, dürften nur wenige bedauern – auch die Studierenden selbst nicht, denen heute ein jahrelanges zielloses Studium erspart werden kann. Ein Berufseinstieg mit 22 Jahren, z.B. nach einem dualen Bachelor, ist heute durchaus üblich.
  • Die freie Wirtschaft spielt in der Diskussion eine umstrittene Rolle. Zunächst waren die Unternehmen die ersten, die nach jungen und daher preiswerteren Berufseinsteiger riefen. Als die ersten dann auf den Arbeitsmarkt kamen, waren sie ihnen oft zu unreif und unerfahren. Mittlerweile lässt sich sagen: Ein Berufseinstieg bereits nach dem Bachelor ist in vielen Fällen möglich, dies hängt aber vom gewählten Studium und der Branche ab.
  • Über zwei Drittel der Bachelor-Absolventen entscheiden sich früher oder später für einen Master. Ein Master Studium bietet die Möglichkeit, das Wissen aus dem Bachelor zu vertiefen oder durch andere Inhalte zu ergänzen. Und in vielen Organisationen wird ein Master bis heute mehr oder weniger erwartet, wenn man eine Führungskarriere und/oder eine Expertenlaufbahn anstrebt.

Orientierungsberater Peez resümiert daher: „15 Jahre nach der politischen Entscheidung für die Einführung des Bachelor- und Master-Systems hat es sich nach einigen Anlaufschwierigkeiten insgesamt bewährt. In vielen Fällen bietet der Bachelor angemessene Möglichkeiten des Berufseinstiegs. Langfristige Karriereperspektiven eröffnen sich für viele aber nur mit einem Masterabschluss.“

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