Der steinige Weg zum Traumberuf – Neues zum Medizinstudium

Orientierungsberater Andreas Peez

Christoph A. aus Wiesbaden hatte, seit er denken konnte, ein und denselben Berufswunsch: Er wollte Arzt werden. Denn sein Vater war Arzt, und auch sein Großvater war Arzt gewesen, und er bewunderte beide: Eine sinnvolle Tätigkeit, mit der man Menschen helfen konnte, die Freiheit in einer eigenen Praxis, komplexes Fachwissen. Und nicht zuletzt ein hohes gesellschaftliches Ansehen sowie ein gutes und sicheres Einkommen.

Orientierungsberater Andreas Peez aus München kennt ähnlicheFälle wie Christoph A. aus seiner Beratungspraxis und sagt: „Christoph istnicht untypisch. Viele, die sich für das Medizinstudium interessieren, habenMediziner in ihrer Familie. Umso bitterer ist es für sie, wenn der Traum vomMedizinstudium zu platzen scheint. Da spielen sich wahre Dramen ab.“ Und auchbei Christoph A. lief es alles andere als rund.

Denn der gute Abiturschnitt von 2,3 reichte eben bei weitemnicht aus, damit sich Christoph einen der begehrten Studienplätze sichernkonnte, auch nachdem er versucht hatte, seinen Schnitt durch das Ablegen desMedizinertests zu verbessern. Und ein teures Auslandsstudium wolle ChristophsVater ihm nicht zahlen – er selbst habe es ja auch an einer deutschenUniversität geschafft, so sein Argument. So kam Christoph auf die Idee, 15Semester Wartezeit auf seinen Studienplatz in Humanmedizin in Kauf zu nehmenund zu überbrücken, denn zumindest bis vor kurzem war dies ein langwieriger,aber sicherer Weg, an einen Studienplatz in Medizin zu gelangen.

Christoph machte erst ein freiwilliges soziales Jahr, dann eine Ausbildung zum Bankkaufmann und ging schließlich noch nach Österreich, um einen Bachelor in Gesundheitsmanagement zu absolvieren. Die 7 ½ Jahre Wartezeit sind nun vorbei – und der Studienplatz trotzdem unsicher. Denn inzwischen wurde an einer Reform der Aufnahmebedingungen gearbeitet, nachdem das Bundesverfassungsgericht das aktuelle Verfahren gekippt hatte. Wenn die neuen Zulassungsbedingungen ratifiziert werden, dann gibt es künftig keine Wartezeitquote mehr – für Christoph und viele andere, die sich darauf verlassen hatten, ein herber Schlag!

Künftig werden die Hochschulen, so sieht es zumindest aktuell aus, die Studienplatzvergabe selbst gestalten – so wie es in vielen anderen Studiengängen an vielen Bildungseinrichtungen bereits üblich ist. Eine sehr gute Abiturnote wird immer noch ein zentrales Entscheidungskriterium bleiben, aber nicht mehr das einzige Kriterium: Hinzu kommen weitere Gesichtspunkte wie das Ergebnis im Studierfähigkeitstest TMS sowie Vorerfahrungen in einem medizinischen Beruf, also z. B. eine abgeschlossene Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger. Die Wartezeit auf den Studienplatz spielt künftig keine Rolle mehr.

Christoph kann sich wohl trotz der Änderungen im Vergabesystem berechtigte Hoffnungen machen, dass sein Plan doch noch aufgeht – soweit die gute Nachricht, so Orientierungsberater Andreas Peez. Denn für eine Übergangsfrist wird die Wartezeit noch als Kriterium bei der Platzvergabe berücksichtigt und begünstigt vor allem die, die ihre Wartesemester schon möglichst vollständig angesammelt haben. Kritisch wird es aber für die, die „erst“ drei oder vier Jahre warten – für diese wird die zu erreichende Punktzahl bei der Studienplatzzuteilung womöglich nicht mehr ausreichen.

Denn egal wie das künftige System der Studienplatzvergabeendgültig aussehen wird: Bei gut 9000 verfügbaren Plätzen und 40.000 Bewerbernwie zuletzt wird auch künftig die Mehrheit der Interessenten leer ausgehen.

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