Deutschlands Universitäten verpassen in Lehre und Digitalisierung den Anschluss

Hochschullehre sollte durch Online-Formate verbessert, ergänzt und international sichtbarer gemacht werden

Das Hochschul-Startup iversity kritisiert die systematische Vernachlässigung von Lehre, Digitalisierung und Internationalisierung im Rahmen der Hochschulförderung des Bundes. Verglichen mit der Exzellenzinitiative war der „Wettbewerb exzellente Lehre“ aus dem Jahr 2009 nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Allein in der dritten Runde der Exzellenzinitiative kamen auf jeden Euro, der zur Förderung der Lehre bereitgestellt wurde, fast 300 Euro für Forschung.

iversity-Gründer Jonas Liepmann: „In Deutschland wird durchaus mit vielen guten Ansätzen experimentiert. Aber dann fehlt es oft sowohl an den finanziellen Mitteln als auch einer klaren Strategie, die aus Experimenten Pilotprojekte, und aus Pilotprojekten breitenwirksame Modelle werden lässt. Darunter leiden letztlich die Studierenden in den Hörsälen der Massenuniversitäten. Exzellente Forschung ist eben nicht alles.“

WZB Studie: Einseitige Profilierung der deutschen Hochschulen durch Forschung

Auch eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin erklärt, dass die Exzellenzinitiative entgegen der ursprünglichen Intention nicht zu einer klaren Profilbildung geführt hat. Im Gegenteil: alle Universitäten wollen auf die gleiche Art und Weise besonders sein. Die Studie stellt fest: „Profilbildung […] verengt sich bis dato fast ausschließlich auf die Organisationsformen der Forschung.“ Sowie: „[I]n wissenschaftspolitischen Kreisen herrscht nach wie vor die Auffassung, exzellente Forschung führe quasi automatisch zu einer qualitativ hochwertigen Lehre.“

iversity fordert innovative Lehrformate, die Digitalisierung und Internationalisierung verbinden

Zahlreiche Universitäten mit Weltgeltung experimentieren gegenwärtig mit digitalen Lehrformaten und sind damit international erfolgreich. Die Verbindung von multimedialen Inhalten mit interaktiven Elementen und einer lebhaften Community kommt an. Keines der in Deutschland ins Leben gerufenen Projekte hat eine vergleichbare Sichtbarkeit erreicht und auch zehn Jahre nach Gründung ist keine einzige deutsche Hochschule Mitglied des Open CourseWare Consortiums, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Zugang zu kostenfreien Bildungsinhalten zu erleichtern.

Open Courses: ein wichtiges Instrument im Wettbewerb um die besten Köpfe

iversity-Geschäftsführer Hannes Klöpper dazu: „Online Open Courses anzubieten ist eine Riesenchance, um auf den Wissenschaftsstandort Deutschland aufmerksam zu machen. Auf diese Weise können wir die Vielfalt und den Reichtum der deutschen Wissenschaftslandschaft einem globalen Publikum zugänglich machen und deutsche Universitäten als Marken im Wettbewerb um die besten Köpfe stärken.“

Bereits im Herbst 2011 hatte iversity Professoren dazu aufgerufen, ihre Klassenzimmer zu öffnen. Nun, da das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen ist, befinden wir uns im Gespräch mit zahlreichen HochschulprofessorInnen und ausgesuchten Unternehmen, um schon bald gemeinsam weitere kostenfreie Lehrveranstaltungen anzubieten.

Quelle,  Hannes Klöpper, iversity GmbH

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