E-Learning – Hype oder echte Lernalternative?

E-Learning – Hype oder echte Lernalternative?Seit geraumer Zeit geistert der Begriff des „E-Learning“ durch die Welt. Darunter versteht man gemeinhin das Lernen unter Zuhilfenahme elektronischer und digitaler Medien, also beispielsweise via PC, Tablet oder Smartphone. Und natürlich via Internet.

Dies allerdings nicht nur individuell oder quasi-autodidaktisch, sondern durchaus auch im Schul- und Klassenkontext, wo digitale Materialien den normalen Unterricht ergänzen. Auch YouTube Tutorials fallen im weiteren Sinne unter E-Learning. Es handelt sich also um ein durchaus weites Feld und lässt sich nicht auf das Sprachstudium beispielsweise mit „Babbel“ beschränken. So vielfältig die Einsatzmöglichkeiten sind, so inhomogen ist aber auch die Qualität der jeweiligen Angebote, die mal kostenfrei, mal kostenpflichtig sein können.

Lerninhalte von der Fremdsprache bis zum Führerschein

Neu ist das Phänomen dabei freilich nicht. Man erinnere sich vielleicht an die Lerncomputer, die man als Kind genutzt hat. Mit unterschiedlicher Software auf kleinen Disketten konnte man dann Wörter buchstabieren oder Matheaufgaben lösen. Kindgerecht mit schrillen Tönen und hübschen Animationen.

Was den Unterschied von heute zu damals ausmacht, ist das jederzeit verfügbare Internet und natürlich die enormen Datenmengen, auf die man dank der fortgeschrittenen Technik zugriefen kann. So verwundert es nicht, dass Lernangebote in Form von Apps oder Websites wie Pilze aus dem Boden schießen. Vor allem Sprachlern-Apps erfreuen sich hoher Beliebtheit. Laut Bericht der Europäischen Kommission lernt fast jeder dritte Deutsche eine Fremdsprache. Dienste wie Babbel, Duolingo, Busuu oder LingQ bedienen diesen Trend und sind für ihre Hersteller höchst lukrativ. Die Apps bieten dabei meist eine Mischung aus aufeinander aufbauenden Sprachübungen, wie man sie aus der Schule oder dem Studium kennt, Wörterbüchern und Hörbeispielen. Wichtig ist dabei, dass der fehlende Sprachkontakt mit dem Lehrer entsprechend kompensiert wird und der Lernende eine hohe Eigenmotivation mitbringt.

Natürlich gibt es weit mehr Bereiche, denen sich Lern-Apps widmen – darunter natürlich Mathematik, Chemie, allgemeines Abiturwissen zur Selbstprüfung oder tatsächlich auch der Fragenkatalog zur Führerscheinprüfung. Schaut man in die App Stores von Google und Apple, findet man eine schier unüberschaubare Anzahl von Anwendungen. Die Qualität der jeweiligen Apps ist dabei natürlich höchst unterschiedlich. Hierbei sollte man zum einen selbst antesten und beurteilen, aber natürlich auch Nutzerrezensionen studieren, um Negativerlebnisse bestmöglich auszuschließen. Viele der kostenpflichtigen Services bieten auch zeitlich begrenzte Trial-Versionen, in denen die Basis-Features der Programme getestet werden können, bevor sie tatsächlich gekauft werden.

Zeitoptimierung und Bequemlichkeit beim individuellen Lernen

Würde man die Nutzer befragen, wieso online und nicht etwa vor Ort beispielsweise im Abendkurs gelernt wird, würden sicher Bequemlichkeit und Zeitmangel ganz prominent genannt, was auch durchaus einleuchtet. Nach dem Arbeitstag noch in die Sprachschule zu fahren, ist sicher für die wenigsten erstrebenswert. Da ist es doch viel besser, sich einfach auf dem Heimweg in der Bahn über das iPhone 7 die eine oder andere Lektion zu Gemüte zu führen. Ob man sich das nach der Bildschirmtätigkeit tagsüber auch am Abend noch hinter den Screen klemmen möchte, bleibt Geschmacksacke. Im Zeitalter permanenten Zeitmangels fühlt man sich ja quasi schon genötigt, auch die Wege von A nach B „sinnvoll“ zu befüllen. Im besten Falle nimmt man sich auch zum elektronischen Lernen zuhause im ruhigen Umfeld die nötige Zeit. Wenn man für das bessere Verständnis doch eher Mitschüler und einen direkten Ansprechpartner wünscht, ist man im Sprachkurs dann vielleicht doch besser aufgehoben.

E-Learning in der Schule

Das digitale Lernen ist aber nicht nur auf den Privatgebrauch beschränkt, sondern kann auch in Lehranstalten genutzt werden. Wenn der Computer nicht ohnehin schon als festintegrierter Unterrichtsbestandteil genutzt wird, können über das Internet oder durch auf das jeweilige Fach und Themengebiet zugeschnittene Programme eingebunden werden. Der Vorteil darin liegt in der höheren zeitlichen Aktualität der aufbereiteten Themen gegenüber Büchern oder gedruckten Broschüren.

Gleichzeitig kann ein schlichter Medienwechsel schon für etwas Auflockerung im Unterrichtsbetrieb sorgen. Auch hier muss aber im Vorfeld die Qualität und Korrektheit der Inhalte geprüft werden. Dabei spielt die Herkunft des Stoffes eine entscheidende Rolle. Verbirgt sich hinter den Informationen ein kommerziell oder stark ideologisch orientierter Produzent, können die Lerninhalte durchaus einseitig ausfallen oder gar irreführende oder fehlerhafte Informationen enthalten. Das mag bei Schulbüchern auch vorkommen, jedoch werden diese mit jeder neuen Auflage nochmals angepasst. Das Internet bietet da, wie man es aus der privaten Erfahrung auch kennt, weitaus mehr Möglichkeiten, ungeprüfte Inhalte zu verbreiten.

Kurzlebiger Trend oder echte Alternative?

Wichtig bei all diesen Angeboten ist, sich im Vorfeld schon einmal selbst zu befragen, was man sich vom Inhalt erhofft und welcher Lerntyp man selbst ist. Nicht alle Lernformate sind für jeden Menschen gleichermaßen sinnvoll und nützlich. Der Preis sollte bei der Wahl der Lern-App übrigens keine primäre Rolle spielen. Die teuerste Anwendung muss nicht zwangsläufig die Beste sein. Auch kostenlose Angebote können eine hohe Qualität bieten. Allerdings können hier oft störende Werbeeinblendungen den Lernspaß trüben. Insgesamt kann das mobile Lernen eine durchaus effektive Alternative zum traditionellen Lernen sein, vorausgesetzt Qualität und eigene Einstellung zum Angebot stimmen. Kurzlebig ist der Trend aber definitiv nicht, lediglich Gerätschaften und damit einhergehend die Nutzungsweisen verändern sich.

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