Eltern für bundesweit einheitliches Schulsystem

SchulbildungWas wünschen sich Eltern im Wahljahr 2013 von der Familienpolitik?

Mehr Chancengleichheit, Wahlfreiheit sowie einen Staat, der die richtigen Rahmenbedingungen für Familien schafft. Dazu zählen vor allem die Unterstützung benachteiligter Familien, eine partnerschaftliche Arbeitsteilung sowie ein bundesweit einheitliches Bildungssystem.

Das geht aus der repräsentativen forsa-Studie “Wenn Eltern die Wahl haben” im Auftrag der Zeitschriften ELTERN und ELTERN FAMILY hervor, die im April 2013 in Berlin vorgestellt wurde und für die 1.000 Mütter und Väter von minderjährigen Kindern in Deutschland befragt wurden.

Derzeit keine familienpolitischen Ziele

Nach ihren Wahlabsichten befragt, würden im Herbst 39 Prozent die Union, 24 Prozent die SPD, 22 Prozent die Grünen, 6 Prozent die Linke und 3 Prozent die FDP wählen. Welche familienpolitischen Ziele diese Parteien in etwa verfolgen, wissen allerdings nur 15 Prozent. 38 Prozent gaben an, dies von einzelnen Parteien zu wissen, fast die Hälfte (47 Prozent) weiß darüber allerdings eher nicht Bescheid. Bei den Befragten unter 35 Jahre sagen dies sogar 60 Prozent. 61 Prozent können zudem bei der derzeitigen Bundesregierung keine konkreten familienpolitischen Ziele erkennen.

Benennen können die Befragten diese Ziele und Wünsche allerdings sehr wohl: So finden 89 Prozent, der Staat sollte mehr Wert darauf legen, benachteiligte Familien zu unterstützen. 88 Prozent meinen, das vordringliche Ziel sollte es sein, die Geburtenrate zu erhöhen. Zudem sind 74 Prozent der Ansicht, der Staat sollte dafür sorgen, dass Familien das Betreuungsmodell für ihre Kinder wählen können, das am besten zu ihren Bedürfnissen passt.

Gefragt nach den Möglichkeiten der Familienförderung, finden es 91 Prozent gut, nicht berufstätige Ehepartner in der Krankenversicherung mitzuversichern. Auch die Einführung eines verpflichtenden kostenlosen letzten Kindergartenjahres (83 Prozent) steht bei den befragten Eltern ganz oben auf der Wunschliste. Vier Fünftel der Befragten (81 Prozent) sagen zudem, dass sie das Ehegattensplitting gut finden – Befürworter sind sowohl zu großen Teilen unter den Anhängern der CDU/CSU (84 Prozent) und SPD (83 Prozent) als auch der Grünen (76 Prozent). Erst nach dem Splitting folgen der flächendeckende Ausbau der Betreuung für alle Kinder ab dem ersten Geburtstag (78 Prozent) sowie das derzeitige Elterngeld (69 Prozent).

65 Prozent der befragten Eltern halten zudem Maßnahmen zur Frühförderung benachteiligter Kinder für so wichtig, dass sie ihre Wahlentscheidung beeinflussen. Beim Thema Ehegattensplitting sagen dies 59 Prozent, bei der kostenlosen Mitversicherung nicht berufstätiger Ehegatten in der Krankenversicherung 58 Prozent und beim flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung 57 Prozent.

Kindergeld gerechter verteilen

Zu den Einsparmöglichkeiten gefragt, gaben 69 Prozent an, dass Familien, die über mehr als 100.000 Euro brutto im Jahr verfügen, nicht das volle Elterngeld benötigen. 53 Prozent meinen, die Gutverdiener könnten aufs Kindergeld verzichten. Und 49 Prozent sind dafür, das beschlossene Betreuungsgeld zurückzunehmen.

Das traditionelle Alleinverdienermodell hat ausgedient: Nur 6 Prozent sprechen sich dafür aus. 40 Prozent finden es gut, wenn er Vollzeit arbeitet und sie Teilzeit, 38 Prozent favorisieren die Variante “beide arbeiten 30 Stunden und teilen sich Hausarbeit und Kinder.” 13 Prozent finden es gut, wenn beide Vollzeit arbeiten.

Die Wirklichkeit sieht anders aus: So realisieren das Modell mit zweimal 30 Stunden nur 6 Prozent der Befragten, die mit einem Partner zusammen leben, 14 Prozent haben das traditionelle Alleinverdienermodell, und bei 57 Prozent arbeitet er Voll-, sie Teilzeit. Einer der Hauptgründe für die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist das Geld: 45 Prozent sagen, das Einkommen wäre zu gering, wenn sie das Wunschmodell umsetzten.

Recht auf Betreuungsplatz notfalls einklagen

Lediglich ein Viertel der befragten Eltern ist der Meinung, dass genügend Kita-Plätze für Kinder unter drei Jahren vorhanden sind. Und: Jeder Zweite (48 Prozent) würde den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, der im August dieses Jahres für Kinder unter drei Jahren in Kraft tritt, einklagen (39 Prozent bei den Anhängern der CDU/CSU, 58 Prozent bei SPD und 53 Prozent bei Bündnis 90/Die Grünen).

Auf die Frage, wann Frauen nach der Geburt wieder arbeiten gehen sollten, antworten 24 Prozent: nach einem Jahr. Erstaunliche 42 Prozent denken allerdings, nach drei Jahren oder später sei der richtige Zeitpunkt. Auch zur aktuellen Bildungspolitik äußern sich die befragten Eltern kritisch: Zwar geben 57 Prozent an, bei den eigenen Kindern keine schlechten Erfahrungen mit dem Bildungssystem gemacht zu haben, aber: 93 Prozent halten eine Vereinheitlichung des Bildungssystems in allen Bundesländern für dringend erforderlich.

Insgesamt finden 87 Prozent ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen gut, allerdings nur dann, wenn kein Zwang besteht. Ist die Ganztagsschule ab der ersten Klasse verpflichtend, sehen sie nur noch 34 Prozent positiv.

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