Fachkräftemangel in Deutschland – In welchen Bereichen dringend Personal gesucht wird

Orientierungsberater Andreas PeezSandra W. ist Gesund- und Krankheitspflegerin, oder Krankenschwester, wie man früher gesagt hätte. Als sie an ihrem Arbeitsplatz anhaltende Probleme mit einer Kollegin bekam und auch der Rückhalt vom Team insgesamt fehlte, wie sie fand, fing sie an, sich nach neuen Stellen umzusehen. Innerhalb von zwei Wochen hatte sie acht Einladungen zum Bewerbungsgespräch und kurz darauf fünf Zusagen für eine neue Stelle. Vier Wochen nach Bewerbungsbeginn trat Sandra W. ihren neuen Job an.

Orientierungsberater Andreas Peez aus München stellt fest: „Da es der deutschen Wirtschaft seit längerem sehr gut geht, ist die Arbeitsmarktlage insgesamt positiv für die Arbeitnehmer. Aber in einigen Bereichen lässt sich ein besonders hoher Bedarf feststellen, z. B. im Bereich Gesundheit und Soziales.“

Diese Beobachtung wird durch eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gestützt. Ihr zufolge fehlen aktuell 1,2 Millionen Fachkräfte in Deutschland – ein Rekordwert und ein deutliches Signal dafür, dass es zumindest in einigen Berufsfeldern mittlerweile eine deutliche Schieflage zwischen Angebot und Nachfrage gibt. Diese Berufsfelder sind laut der Studie vor allem die Bereiche Gesundheit und Pflege, Technik und Bau. Ob Pfleger oder Logopäden, Elektriker oder Informatiker, sie alle werden händeringend gesucht.

Gerade jüngere Leute, die sich noch für eine berufliche Richtung entscheiden müssen und ratlos sind, neigen manchmal dazu, sich aus der Liste der so genannten „Mangelberufe“ zu bedienen, nach dem Motto: „Wenn da so viel Personal gesucht wird, kann ich mit der beruflichen Entscheidung ja nichts falsch machen.“

Diese Logik kann aber durchaus ihre Tücken haben, weiß Orientierungsberater Andreas Peez. „Es ist natürlich hilfreich zu wissen, in welchen Bereichen in den kommenden Jahren ein hoher Bedarf an Fachkräften zu erwarten ist. Ich empfehle jedoch, mich zunächst unabhängig davon mit meinen Stärken, Interessen und Wünschen an das Berufsleben auseinanderzusetzen, zum Beispiel im Rahmen einer professionellen Berufsberatung.“ Denn wer einen beruflichen Bereich wählt, für den er eigentlich nicht bestimmt ist, wird – Arbeitsmarktlage hin oder her – vermutlich nicht glücklich in seinem Job. Und erfolgreich dann auch nicht.

So sagt auch Sandra W.: „Ich schätze es sehr, dass in den Pflegeberufen so viele Jobmöglichkeiten existieren – das gibt mir Sicherheit. Allerdings unterschätzen viele junge Kollegen den großen Druck und Stress, der auf manchen Stationen herrscht, vom Schichtdienst gar nicht zu sprechen. Wer in sich nicht den absoluten Wunsch verspürt, mit Menschen intensiv zusammenzuarbeiten und sie in schwierigen Situationen zu begleiten, für den gibt es wahrscheinlich geeignetere Berufe.“

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