Fünf aktuelle Trends in der Berufsorientierung – Beobachtungen aus der Praxis

Orientierungsberater Andreas PeezMitte Mai: Seit kurzem kann man sich an den deutschen Hochschulen für einen Studienplatz bewerben, und wer eine Ausbildung anstrebt, hat oft bereits einen Platz gefunden oder befindet sich im fortgeschrittenen Bewerbungsstadium. Es ist also Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen und zu fragen: Welche aktuellen Trends lassen sich 2018 erkennen, was die berufliche Orientierung angeht?

Orientierungsberater Andreas Peez aus München verfolgt die Entwicklung seit vielen Jahren im Rahmen seiner Beratungspraxis und hat unterschiedliche Trends kommen und teilweise auch wieder gehen sehen. In den letzten Monaten hat er im Gespräch mit zahlreichen Klienten folgende Beobachtungen machen können.

  1. Der Trend zum Studium hält an. Zumindest in den größeren Städten stellt sich kaum noch die Frage, ob man studieren soll, sondern was. Dass sich das duale Ausbildungssystem, auf das Deutschland so lange so stolz war, auf diese Art allmählich aushöhlt, wird von allen Seiten bedauert – gerade auch von den Arbeitgebern, die immer größere Schwierigkeiten haben, Lehrstellen zu besetzen. Aber: Es sind eben auch die Arbeitgeber, die den Trend zum Studium weiter befeuern, indem sie für interessante Positionen immer häufiger einen Hochschulabschluss einfordern und in vielen Fällen die Ausbildungsqualität im Betrieb vernachlässigen.
  2. Dual ist trotzdem nicht tot. So paradox es klingt: Trotz des Ansturms auf die Hochschulen ist Praxisbezug gefragt wie nie. Das Studium soll nah an der beruflichen Wirklichkeit sein und erste praktische Erfahrungen ermöglichen und fördern. Von diesem Trend profitieren die Hochschulen für angewandte Wissenschaften, früher Fachhochschulen. Und immer mehr werden duale Studiengänge nachgefragt – und von Unternehmen auch angeboten.
  3. Das Gap Year ist – noch – eher die Regel als die Ausnahme. Die Einführung des G8 in einigen Bundesländern hat dazu geführt, dass die Schulabgänger sehr oft nicht gleich auf die Uni wechseln und somit früher mit den Studium fertig werden, sondern dass sie sich ein Jahr Pause gönnen, zum Erholen und Reisen, aber auch zum Arbeiten, Orientieren, für Praktika, Sprachkurse, ein Freiwilliges Soziales Jahr o.Ä. Mit der Wiedereinführung des G9 wird sich dies mittelfristig möglicherweise wieder ändern.
  4. BWL bleibt beliebt. Ein wirtschaftlich orientiertes Studium bleibt für viele Abiturienten der Favorit, wegen der breiten beruflichen Einsatzmöglichkeiten, des Praxisbezugs und der erhofften Karriereaussichten. Allerdings hat die Anzahl der Studiengänge in diesem Bereich so stark zugenommen, dass dies die Orientierung stark erschwert, zumal die Studienprogramme immer ausgefallenere und exotischere Bezeichnungen tragen.
  5. Beratung wird immer stärker nachgefragt. Eine professionelle Berufsberatung in Anspruch zu nehmen, wird immer mehr zum Regelfall. Der Trend zum Studium, die Konkurrenz um die Studienplätze, die immer größere werdende Auswahl an Optionen und Ausbildungsmodellen haben den Bedarf nach Orientierung und Unterstützung deutlich wachsen lassen. Die Nachfrage nach einer neutralen, inhaltlich wertvollen und gleichzeitig psychologisch fundierten Laufbahnberatung nimmt weiter zu.

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