Generation Angst – Die Furcht vor dem sozialen Abstieg

Orientierungsberater Andreas PeezJonas H. aus Stuttgart ist verzweifelt: Nach seinem Abitur im Sommer 2017 hat er sich zwar eine Pause gegönnt, doch entspannen konnte er sich kaum. Denn zum Herbst 2018 möchte er nun ein Studium aufnehmen, doch es erscheint ihm so, als würde so oder so nichts aus ihm werden.

Hierzu muss man wissen: Beide Eltern von Jonas haben gut bezahlte und sichere Jobs bei einem der renommiertesten Arbeitgeber vor Ort, Daimler. Jonas genoss daher eine Kindheit ohne finanzielle Sorgen in einem gutbürgerlichen Umfeld. Doch sein Abiturschnitt lautet 3,0, und er hat das Gefühl, dass er damit es nie zu etwas bringen wird.

Orientierungsberater Andreas Peez aus München stellt in seinem Beratungsalltag eine stark zunehmende Tendenz fest: „Immer mehr junge Leute stehen unter enormem Erfolgsdruck und haben gleichzeitig den Eindruck, auf der Verliererseite zu stehen. Das kratzt natürlich erheblich an ihrem Selbstwert und führt zu großer seelischer Not. Sie haben das Gefühl, Teil einer „Absteiger-Generation“ zu werden, gerade wenn die Eltern es zu etwas gebracht haben.“

Die Ursachen dieser Entwicklung sind sicherlich zum einen im Trend zum Studium begründet. Wenn immer mehr Altersgenossen studieren und somit der Eindruck entsteht, ein Studium sei mittlerweile der Normalfall, dann fühlen sich von vorneherein diejenigen abgehängt, die kein Studium aufnehmen können oder wollen. Orientierungsberater Peez ergänzt: „Hier gibt es manchmal das Gefühl, „dumm“ zu sein und es daher zu nichts bringen zu können, auch finanziell.“ Eine durchaus nachvollziehbare Sorge, wenn man die Preisentwicklung in den Ballungsräumen betrachtet – eine eigene Immobilie und die Gründung einer Familie scheinen in eine unbestimmte Ferne zu rücken.

Aber auch wer das Abitur in der Tasche hat, kann sich oft nicht entspannen. Je nach Hochschulort sind oftmals 50 bis hin zu 80 Prozent der Studiengänge mit einem Numerus Clausus oder anderen Zugangsbeschränkungen belegt – der Weg zum Studienplatz kann also einem Kampf mit ungewissem Ausgang gleichen, vor allem für diejenigen, die keinen Top-Notenschnitt vorweisen können. Und wer es dann schließlich geschafft hat und im Studium steht, sieht die große Anzahl an Mitstudierenden und fragt sich möglicherweise, was dies für seinen Einstieg auf den Arbeitsmarkt bedeuten wird.

Dies sind alles Fakten, doch es gibt auch gute Nachrichten, betont Andreas Peez: „Auch das Ausbildungsangebot hat sich in den letzten Jahren erheblich diversifiziert, es gibt mehr Möglichkeiten, unterschiedliche Wege und meistens auch gute Alternativen, wenn das eigentliche Ziel zunächst blockiert erscheint.“ Doch da mehr Möglichkeiten auch mehr Verwirrung bedeuten, gerade wenn man sich zum ersten Mal damit beschäftigt, empfiehlt es sich mehr denn je, sich nach dem Schulabschluss eingehend zu informieren und beraten zu lassen.

bildungsdoc®-Handbuch:

bildungsdoc® beantwortet die häufigsten Fragen zu:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.