Die heutige Generation der Berufseinsteiger und ihre etwas andere Karriereplanung

Orientierungsberater Andreas Peez

Orientierungsberater Andreas Peez

Personalreferenten in großen Unternehmen und Mitarbeiter von Personalberatungen raufen sich zunehmend die Haare bei der Besetzung von eigentlich attraktiven Stellen. Nicht nur, dass ihnen allmählich der Nachschub ausgeht, weil sich der demografische Knick mittlerweile deutlich auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Die potenziellen Kandidaten sind auch kompliziert geworden, sie lassen sich nicht mehr mit einem guten Gehalt und einem Dienstwagen zufrieden stellen. Was ist da bloß los?

Bei den heutigen Berufseinsteigern spricht man von der so genannten Generation Y. Sie folgt auf die Generation X und unterscheidet sich von diesen und früheren Jahrgängen durch ihre Skepsis gegenüber klassischen Karrieremodellen. „Y“ und „Why?“ sprechen sich im Englischen gleich aus, und die Frage nach dem „Warum?“ treibt die Mitglieder der Generation Y besonders herum.

Die älteren Geschwister und Eltern strebten nach einer soliden Ausbildung häufig in eine stabile Position in einem bekannten Unternehmen, mit dem Ziel, dort möglichst lange oder vielleicht sogar für immer zu bleiben und allmählich die Karriereleiter hochzusteigen. Ein gutes und allmählich steigendes Gehalt, ein Firmenwagen, eine jährliche Weiterbildung und 30 Tage Urlaub waren beliebte Mittel, die Leute bei Laune zu halten – und es funktionierte auch ganz gut.

Nicht wenige Vertreter der Generation Y ticken dagegen heute ganz anders. Eine Karriere im Bankensektor? Nein danke, das Image der Branche ist zu schlecht! Bei einer Unternehmensberatung? Nein, zu stressig! Im Handel? Auch nicht, zu viel Druck und zu wenig Selbstverwirklichung! Stattdessen fangen diese Berufseinsteiger dann bei einem Start-Up an, das z.B. Apps entwickelt oder ein Fernbusnetz aufbaut. Dort gibt es noch kaum feste Hierarchien und Strukturen, und die Mitarbeiterzahl ist überschaubar – man kennt sich. Die Folge: Man hat extrem viele Freiheiten und kann sich inhaltlich stark einbringen und selbst verwirklichen. Die vielen Überstunden werden dabei gern in Kauf genommen, wenn sich der Chef umgekehrt auch mal kulant zeigt und nicht auf die Zeiterfassung starrt, wenn das Fußballspiel früher beginnt.

Orientierungsberater Andreas Peez aus München hat analysiert, dass der Grund für diesen Wertewandel zum großen Teil in persönlichen Erfahrungen der Generation Y liegt. „Ich berate häufig Kunden an der Schwelle zwischen Studium und Berufstätigkeit. Sie sind in Familien aufgewachsen, in denen zwar das Geld nicht gefehlt hat, aber wo der Vater fast nie da war und die Mutter sich zwischen Kindererziehung und Selbstentfaltung zerrissen hat. Sie haben erlebt, dass sich ihre Eltern nach einer Kündigung oder einer gesundheitlichen Krise neu beruflich orientieren mussten und die vermeintliche Sicherheit ihres Jobs ihnen dabei wenig bis nichts genutzt hat. Sie kennen Verwandte, die mit Mitte 50 in die Frühverrentung geschoben wurden, weil sie niemand mehr haben wollte. Mit all diesen Erfahrungen im Hintergrund ist es nicht nur nachvollziehbar, sondern sehr intelligent, wenn die heutigen Berufseinsteiger andere Prioritäten setzen.“

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