Zweiter Anlauf zur Karriere – Weiterbilden neben dem Job

Orientierungsberater Andreas PeezMarkus Z. aus München schlug zunächst die ganz normale Schullaufbahn ein: Grundschule, Realschule, Mittlere Reife. Doch statt sich einen Ausbildungsplatz zu suchen, begann er nach der Schule erst einmal zu jobben. Er wollte daheim ausziehen und brauchte Geld, also suchte er sich einen Job in der Gastronomie. Er bekam Trinkgeld, verdiente für seine Verhältnisse passabel, konnte sich eine eigene Wohnung leisten.

Die Jobs kamen und gingen, Markus Z. wurde älter und realisierte mit über 30 Jahren, dass er trotz anstrengender Tätigkeit und Schichtdienst deutlich weniger verdiente als die meisten Personen in seinem Umfeld – und dass er vor allem keine Perspektiven für die Zukunft sah.

Orientierungsberater Andreas Peez aus München kennt zahlreiche derartige Fälle aus seiner Beratungspraxis. Er stellt fest: „Eine Karriere ohne Ausbildung oder gar ohne Schulabschluss ist in Deutschland die absolute Ausnahme. Das überrascht vor allem Migranten aus Ländern, in denen ein Abschluss nicht so wichtig wie hier genommen wird. Aber es gibt natürlich auch viele Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind und durch ungünstige Umstände wie z. B. Probleme in der Familie keine Ausbildung beendet haben. Und die stoßen in der Regel immer wieder auf die gleichen, scheinbar unüberwindbaren Hindernisse und können sich beruflich nicht gut entfalten.“

Denn ohne formale Qualifikation ist man auf dem Arbeitsmarkt leichter ersetzbar, was vor allem dann deutlich spürbar wird, wenn die Arbeitslosigkeit steigt oder wenn man im Laufe der Zeit nicht mehr ganz so flexibel sein kann und einen „sicheren Hafen“ im Beruf sucht. Anerkennung, Gehalt, Karrieremöglichkeiten und berufliche Perspektiven sind ebenfalls meist deutlich geringer als bei „Gelernten“. Doch was tun?

„Viele Betroffenen sind der Meinung, der Zug sei für sie abgefahren, und resignieren“, so Orientierungsberater Andreas Peez. Doch vor allem wenn ein Schulabschluss und einschlägige Berufserfahrung vorhanden sind, wie beim Beispiel von Markus Z., gibt es einen realistischen Weg zu einem Berufsabschluss: die Externenprüfung, bei der die vorhandene Berufspraxis berücksichtigt wird und man die Prüfung ablegen kann, ohne erneut eine komplette Berufsausbildung zu durchlaufen. In manchen Fällen sind hierdurch sogar Personen ohne Schulabschluss zu einem Berufsabschluss gekommen, wenn sie die entsprechende Berufserfahrung nachweisen konnten.

Berufstätige, die Fachabitur oder Abitur haben, aber anschließend weder eine Ausbildung absolviert noch studiert haben, sind ebenfalls zahlreicher als man denkt. Durch persönliche oder familiäre Umstände wie z. B. eine Schwangerschaft haben diese Personen zwar einen hohen Schulabschluss, aber keine berufliche Qualifikation. Hier sind Fernstudiengänge oder berufsbegleitende Programme eine gute Option, auch zu einem späteren Zeitpunkt einen ersten Hochschulabschluss zu erlangen, der entweder zur bisherigen Berufspraxis passt oder den Weg in einen anderen Bereich eröffnet. Orientierungsberater Peez aus München ergänzt hierzu: „Auch wenn der individuelle Fall sehr kompliziert sein kann: Es gibt fast immer Möglichkeiten für eine Karriere auf den zweiten Anlauf, wenn man sich einen Ruck gibt und kompetent zu den unterschiedlichen Optionen beraten lässt.“

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