Lernen in den Ferien – die lange Schulpause sinnvoll nutzen?

Schüler sind in der Schule einem enormen Druck ausgesetzt und brauchen die Ferien, um sich zu erholen, meinen die einen. Die sechs Wochen dauernden Ferien sollten sinnvoll zum Lernen genutzt werden, meinen die anderen. Der Bundesverband Nachhilfe- und Nachmittagsschulen e.V. (VNN) empfiehlt, Erholung und Förderung in Einklang zu bringen und dabei die individuellen Bedürfnisse des Kindes im Blick zu behalten.

“Schulkinder arbeiten hart und sind einem enormen Leistungsdruck ausgesetzt. Sie brauchen ihren Erholungsurlaub wie jeder erwachsene Arbeitnehmer”, konstatiert Dr. Cornelia Sussieck, Vorsitzende des VNN. “Jedoch schließen sich Erholung und Lernen keineswegs aus.”

Vor allem Schüler, die Schwierigkeiten mit dem Lernpensum oder dem Lerntempo in der Schule haben, sollten die Ferien nutzen, um Lücken zu schließen, Lernstoff aufzuarbeiten und Gelerntes zu verfestigen. Die Ferien eröffnen die Chance, ohne Stress, frei von Leistungs- und Notendruck zu lernen. So können sich Erfolgserlebnisse schneller einstellen und die Schüler die Freude am Lernen zurückgewinnen. “Gerade schwächere Schüler sollten diese Chance nutzen. Andernfalls könnten sie zu Beginn der Schulzeit schnell wieder den Anschluss verlieren. Dadurch steigt die Gefahr, dass sie die nächste Klasse nicht schaffen.”

Eltern empfiehlt der VNN tatsächlich eine Ferien-Phase einzuräumen, die frei vom bewussten Lernen ist: “In dieser Zeit können die Schulbücher im Schrank bleiben”, empfiehlt Sussieck. Wer sein Kind auch in dieser Zeit fördern möchte, sollte spielerische Lerneinheiten in den Alltag einbinden: Kinder, die Schwierigkeiten mit dem Rechnen haben, können beim Einkaufen die Preise im Kopf addieren oder ausrechnen, wie viele Kugeln Eis sie für ihr Taschengeld kaufen können. Lesemuffel können den Eltern die Speisekarte vorlesen. Bei gemeinsamen Spielen können sie die Spielanleitung und Aufgaben vorlesen. Grundschüler, die Probleme mit dem kleinen Einmaleins haben, können es beim Würfelspiel üben. Auch bei Ausflügen ins Museum kann man kleine Lerneinheiten einfließen lassen.

Für die zweite Hälfte der Ferien können die Eltern einen Lernfahrplan erstellen: Je eine oder zwei Stunden am Tag wird gelernt. Dann bleibt immer noch viel Zeit für Freunde und Freibad. “Setzen Sie die Zeiten fest, zu denen gelernt wird”, rät Sussieck. “So kann die Lerneinheit nicht immer wieder verschoben werden. Ihr Kind weiß, wann es frei hat und kann sich darauf freuen.” Beim Lernen sollte man mit dem Stoff starten, der dem Kind leicht fällt. So stellen sich Erfolgserlebnisse schneller ein.

Ist ein konzentriertes Lernen empfehlenswert, beispielsweise weil die Lücken oder die Verständnisschwierigkeiten zu groß sind, empfiehlt der VNN, die Ferienangebote der Nachhilfeschulen zu nutzen. Pädagogen erarbeiten mit dem Kind zusammen den Lernstoff, erklären ihn, beantworten Fragen. Das entlastet auch das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern. Und: Das Lernen in einer Gruppe mit anderen Kindern und Jugendlichen macht mehr Freude als alleine daheim.

Ob daheim oder in der Nachhilfeschule – das dosierte Lernen hilft den Kindern auch beim Schulstart: “Wir wissen doch selbst aus eigener Erfahrung, wie schwer es uns nach dem Urlaub fällt, wieder in den Arbeitsrhythmus zu kommen. Kindern geht es bei der Umstellung auf die Schule genauso. Wenn sie sich in den Wochen vor dem Schulstart schon wieder ans Lernen gewöhnt haben, fällt der Neustart viel leichter.”

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