Männer beruflich im Umbruch: Wunsch nach Selbstbestimmung und Familie anstatt Karriere

Jahrzehntelang schien eine familienfreundliche Unternehmenspolitik fast ausschließlich Frauen wichtig zu sein – der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeitmodellen, besseren Betreuungsmöglichkeiten.

Mittlerweile wünschen sich das auch viele Männer. Doch auch sie haben es schwer, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. „Seit etwa einem Jahr kommen immer mehr Männer zu uns, die sagen: So wie bisher will ich nicht mehr arbeiten“, berichtet Dörte Götz, Berufscoach und Geschäftsführerin des Bewerbungszentrums Mainz. Das sei etwas völlig Neues, galt doch bisher das gesellschaftlich erwünschte Credo – je aufstrebender die Karriere, desto erfolgreicher, desto besser. Stattdessen wünschen sich mittlerweile viele Männer mehr Zeit mit der Familie und ein selbstbestimmteres Leben.

Gesundheitliche Probleme weiter im Kommen

Die „Rückschalter“, wie Dörte Götz sie nennt, seien in der Regel beruflich erfolgreich gewesen. Parallel zur Karriere entwickelt sich dann ein Sinn für die Familie, bei vielen mit der Ankunft des ersten Kindes oder weiterer Kinder. Das Problem: Wer in der Arbeitswelt erfolgreich ist, kann sich ein Privatleben kaum leisten. Dem Druck, der sich aufbaut, begegnen immer mehr Männer mit der Suche nach einem Job, der sie zeitlich nicht so stark einbindet – bei anderen entlädt sich die Spannung gesundheitlich: „Burnout, tiefste Unzufriedenheit, Schlaganfall – das alles bei Männern unter 40 Jahren,“ erzählt Götz. „Und spätestens wenn die Gesundheit massiv Schaden nimmt, ist das für die meisten ein Wendepunkt.“

Beruflich zurücktreten – nicht erwünscht

Der Wunsch, weniger zu arbeiten, kollidiert jedoch mit den wahren Verhältnissen auf dem Arbeitsmarkt. Das liegt zum einen daran, dass es für Männer kaum Teilzeitstellen gibt, zum anderen daran, dass weniger arbeiten auch immer einen Karriererückschritt bedeutet, der nach geltenden gesellschaftlichen Normen und wirtschaftlicher Perspektive zunächst nicht ohne Weiteres nachvollziehbar ist.

„Es ist ganz schwierig, diesen ‚Rückschritt‘, der in Wirklichkeit gar keiner ist, einem neuen Arbeitgeber plausibel zu erklären“, berichtet Karriereberaterin Dörte Götz. „Bis die Männer zu uns ins Bewerbungszentrum kommen, haben sie schon eine ganze Reihe Fehlschläge hinter sich.“ Weil sie sich auf Stellen bewerben, für die man sie überqualifiziert hält, oder weil die Arbeitgeber mehr Zeit für Familie nicht akzeptabel finden.

Professionellen Rat einholen

„Aus dieser Situation finden die wenigsten selbst einen Ausweg“, so die Erfahrung von Dörte Götz. Es mache deshalb immer Sinn, sich möglichst schnell professionellen Rat einzuholen, um erfolgreich in ein neues Arbeitsleben zu starten. „Selbst hat man oft keinen Blick dafür, wie man seinen Entschluss richtig präsentieren kann. Wie kann man die Entscheidung, weniger zu arbeiten, überzeugend und selbstbewusst darstellen?“

Die Bewerbungsexpertin betont: „Es geht darum, eine logische Argumentationskette aufzubauen. Man muss clever sein!“ Sich einfach zu bewerben mit der Einstellung „es klappt schon irgendwie“ sei kaum erfolgversprechend. Dörte Götz ist trotz aller Schwierigkeiten optimistisch: „Je mehr Männer für ihren Traum von Beruf und Familie kämpfen, umso schneller wird sich in den Unternehmensköpfen etwas ändern.“ Deshalb gilt für sie: „Nicht aufgeben, es gibt die Möglichkeit, beides zu vereinen!“

bildungsdoc® empfiehlt – Infos, Hinweise & Tipps:

bildungsdoc®-Handbuch:

bildungsdoc® beantwortet die häufigsten Fragen zu:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.