Mehr Burnout bei Studenten – das muss eigentlich nicht sein

Gestraffte Studienordnungen und schrumpfende Freiräume im Bachelor-Master-System lassen die Nachfrage von Studenten nach psychologischer Beratung ansteigen. Das ergab eine Befragung bei den psychologischen Beratungsstellen der Studentenwerke durch Wissenschaftler der TU Chemnitz. Wie die Hochschule mitteilte, sei insbesondere in den vergangenen fünf Jahren ein deutlicher Anstieg von Bournout zu beobachten gewesen. Häufig hätten die Betroffenen keine effektiven Strategien, um richtig mit Stress umzugehen. Zudem mangele es mitunter an Selbstverantwortung, Verzögerungen im Studienablauf sowie vermehrter Studienfachwechsel bis hin zu Studienabbrüchen seien die Folgen. (Sächsische Zeitung vom 28.02.2012)

Wenn ich derartige Artikel lese, muss ich mich an meine Studienzeit erinnern – 1980 bis 1985 an der TU Dresden. Uns wurde schon in der 9./10. Klasse mittgeteilt, ob wir studientauglich sind oder nicht. Das war für uns auch selbstverständlich, war es doch eine objektive Einschätzung. Ich habe nach der 10. Klasse “Maschinenbauer mit Abitur” gemacht – in 3(!) Jahren. Wir hatten zum Abschluss unser Abitur und unseren Facharbeiterbrief in der Tasche. Unser Unterrichtstag/Ausbildungstag begann 07:30 Uhr und endete gegen 16:00/17:00 Uhr. Danach waren noch Hausaufgaben, etc. zu erledigen. Für uns war das Alltag und wir sahen darin keine übermenschliche Herausforderung. Es hat uns, ohne das wir es bewusst wahrnahmen, belastbar gemacht – auch für das spätere Studium.

Die heutigen, ständig wachsenden Gesundheitsprobleme der Studenten haben für mich gesellschaftliche Ursachen. Warum sagt man den Jugendlichen nicht klipp und klar, ob sie fürs Studium geeignet sind oder nicht. Stattdessen höre ich immer wieder Jugendliche sagen, wenn sie nach ihrere Zukunft gefragt werden: Weiss noch nicht, vielleicht studiere ich erst einmal. Ein Studium muss ein Privileg für Schüler sein, dass sie sich durch entsprechende Leistungen in ihrer bisherigen Schulzeit erarbeitet haben und kein Auffanglager für Zweifler. Genauso absurd finde ich es, dass unsere Gesetzgebung die Möglichkeit bietet, sich in einen Studienplatz einzuklagen. Das ist absoluter Nonsens. Die einzigen Gewinner bei diesen Prozess sind Rechtsanwälte, die vor Lachen darüber nicht in den Schlaf kommen.

…und diese ganzen verstörten, burnout-geschädigten “Studenten” suchen dann nach ihren “Erlebnis Studium”, wenn überhaupt, einen Ausbildungsplatz. Dafür müsste der Staat dem Arbeitgeber eigentlich noch reichlich Schmerzensgeld zahlen!

Horst Rindfleisch, bildungsdoc

 

One thought on “Mehr Burnout bei Studenten – das muss eigentlich nicht sein

  1. Die Zahl der Burnout Studenten scheint rapide anzusteigen. Die Hintergründe sind sicherlich vielfältig. Ich selber gehörte zu der 1. Generation Bachelor an der TU Dresden. Im Prinzip ist es schon ein straffes Programm, verglichen zu den ehemaligen Diplom Studiengängen. Jedoch auch machbar, wenn man sich zu 100% auf das Studium konzentrieren kann. Einige scheinen jedoch diesem “Druck” nicht gewachsen zu sein. Das hängt aber sicherlich auch schon mit der schulischen Ausbildung zusammen. Bestes Beispiel ist hier das 12-Jahre (im Osten) vs. 13-Jahre (im Westen) Schulsystem. Die Umstellung in alten Bundesländern von 13 auf 12 Jahre verursachte für viele Schüler zusätzlichen Stress. Ich habe 12 Jahre Schule hinter mir, und habe dies ohne “Burnout” geschafft 😉

    Die Ältere Generation hat sicherlich in kürzerer Zeit mehr “geleistet”. Das war aber sicherlich auch dem “durchgeplanten” Bildungssystem der DDR zuzurechnen. Heutzutage fehlt an einigen Unis der Zug dahinter. Den Profs interessiert es nicht, ob man zur Vorlesung erscheint oder nicht. Eigene Motivation, Zielstrebigkeit und Selbstdisziplin sind hier gefragt. Früher hatten sicherlich auch Eltern und Lehrer einen größeren Einfluss auf die berufliche Entwicklung der Kinder. Dieser ist heute weniger stark vorhanden. Man entscheidet selbst und “autonomer” was man machen möchte. Das ist manchmal nicht immer der “optimale” Weg, weshalb es zu mehreren Umorientierungen kommen kann.

    Wie Herr Rindfleisch es schon erwähnte: Die (Hinter-)Gründe für das vermehrte Burnout-Aufkommen liegt sehr wahrscheinlich in unserer (sich verändernden) Gesellschaft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.