Rekordzahlen an deutschen Hochschulen: Auswirkungen des Booms auf den einzelnen Studenten

Orientierungsberater Andreas PeezSeit Jahren eilt die Zahl der an deutschen Hochschulen eingeschriebenen Studierenden von einem Rekord zum nächsten. Gab es vor zehn Jahren erst gut zwei Millionen immatrikulierte Studenten in Deutschland, so sind es aktuell etwa 2,8 Millionen – ein Plus von 40% innerhalb einer Dekade!

Dieser Boom war auch von oben gewollt, und so kann man der Politik nicht vorwerfen, die Kapazitäten an den Hochschulen in den letzten Jahren nicht massiv ausgebaut und entsprechende Mittel dafür bereit gestellt zu haben – auch wenn es natürlich immer mehr sein könnte und die deutschen Universitäten sich notorisch unterfinanziert fühlen und es sicherlich in mancherlei Hinsicht auch sind.

Ein Aspekt geht in der Diskussion um den so genannten „Akademisierungswahnallerdings gerne unter, und zwar, wie sich dieser Boom auf den einzelnen Studierenden und seine Studienbedingungen auswirkt.

Orientierungsberater Andreas Peez aus München ist mit den Folgen des Trends zum Studium täglich in seiner Beratungspraxis konfrontiert. Er stellt fest: „Die Anzahl der jungen Leute, die das Abitur über den zweiten Bildungsweg erlangen, nimmt nach meiner Beobachtung stark zu. Dadurch verschärft sich die Konkurrenz um attraktive Studienplätze an Hochschulen von Semester zu Semester immer mehr. Selbst ein durchschnittliches Zweier-Abi ist in vielen Fällen nicht mehr ausreichend, um auf normalem Wege gut unterzukommen. Das sorgt bei den Abiturienten natürlich für viel Druck und Frust.“

Aber auch an den Universitäten sind die als attraktiv empfundenen Studiengänge mit immer höheren Zulassungshürden belegt. Das bedeutet allerdings nicht, dass man gleich aufgeben sollte: „Die gute Nachricht“, so Orientierungsberater Peez, „ist, dass es auch immer mehr interessante Studienkonzepte und alternative Modelle gibt, die oft gar nicht bekannt sind. Bei Schulabgängern besteht ein wichtiger Teil der Beratung oft daraus, mit ihnen einen Plan zu entwickeln, der sie trotz der erschwerten Bedingungen dort hinbringt, wo sie hin möchten.“

Ein zweiter wichtiger Aspekt des erhöhten Konkurrenzdrucks an den Hochschulen ist die Situation nach dem ersehnten Abschluss. „Ein Hochschulabschluss alleine garantiert heute nicht mehr einen attraktiven Einstieg in den Arbeitsmarkt. Dafür gibt es, zumindest in gewissen Branchen und Bereichen, mittlerweile einfach ein zu großes Angebot an Akademikern“, stellt Orientierungsberater Andreas Peez. Ein weiterer wichtiger Teil der Beratung dreht sich also häufig um die bereits während des Studiums parallel laufende Karriereplanung und den Erwerb wichtiger Praxiserfahrung und persönlicher Kompetenzen.

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Ein Gedanke zu „Rekordzahlen an deutschen Hochschulen: Auswirkungen des Booms auf den einzelnen Studenten

  1. Interessant wäre noch zu wissen, in wieweit die Anzahl der Studenten zunimmt, die keine Hochschulreife in der Tasche haben, sprich ohne Abitur studieren gehen. Haben Sie dazu ebenfalls Zahlenmaterial?

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