Sportunterricht von morgen

Japanese school sport festival
“Japanese school sport festival” by Ari Helminen (CC BY 2.0)

Ein Forscher glaubt herausgefunden zu haben, wie der optimale Sportunterricht auszusehen hat. Er untersuchte wie eine Stunde aussehen könnte, wenn die körperlichen Leistungen der Schüler nicht benotet werden würden.

In Norwegen wird 2020 ein neuer Lehrplan für das Fach Sport eingeführt. Bis dahin diskutierten Fachleute und Forscher wie dieser aussehen soll. Noch was bedeutet es wirklich Schülern zu trainieren, so dass diese sich in individuellen Sportarten, Tanz und dergleichen, verbessern. Sollen sie neue Trainingsmethoden erlernen oder ihre bereits vorhandenen Fähigkeiten verbessern? Morten Corneliussen Rustad, ein Doktorand an der Norwegischen Schule für Sportwissenschaften, glaubt zu wissen, auf was es ankommt.

Er kritisiert, dass zu wenig Schüler dieser Tage im Stande seien, die heutigen Lehrvorgaben zu meistern. „Umfragen zeigen, dass 12 bis 13 Prozent aller Schüler den Sportunterricht hassen und ein Drittel der Meinung ist, dass das Fach anders unterrichtet werden sollte.“ Rustad fügt hinzu, dass einige Kinder die Schüler mit dem Gefühl verlassen, ihren Körper unglaublich schlecht kontrollieren zu können.

Im vergangenen Jahr hat Rustad Schüler und Lehrer als Co-Forscher eingesetzt, um neue Formen des Unterrichts und der Beurteilung im Sportunterricht zu entwickeln. Ziel der Untersuchung war es, Schülern beizubringen, wie man eine Aktivität bestmöglich ausübt. Die Messung ihres Fortschritts anhand einer Stoppuhr oder das Erreichen eines bestimmten Niveaus war dabei nicht vorgegeben. Leistungsdruck, wie im Profisport, für den es neben erfolgsversprechende Wettquoten gibt, soll ausbleiben.

Schools Tag Rugby 2011 Pic 17
“Schools Tag Rugby 2011 Pic 17” by West Mercia Police (CC BY 2.0)

Selbstredend führte das bei einigen der teilnehmenden Lehrkräfte zu Stirnrunzeln. Kein Ziel, um besser zu werden? Keine Belohnung, um schneller zu laufen, weit zu springen oder einen Salto zu machen? Es war eine Herausforderung für Schüler und Lehrer gleichermaßen, von einem anderen Ausgangspunkt aus zu lehren und zu lernen. Zudem wurden traditionelle Übungen gegen andere ausgetauscht, die den Lehrern nicht so vertraut waren, wie Parcours, Longboard und Folkdance.

Die Schüler wurden mit Hilfe zahlreicher Quellen motiviert und inspiriert. Es wurden ihnen Videos gezeigt, sie erhielten Feedback von Lehrern und Mitschülern, sie wurden gefilmt und die Bewegungsabläufe anschließend analysiert. Gegen Ende des Jahres wählten die Schüler selbst eine Aktivität. Die Themen reichten von Ausdruckstanz, über Basketball, bis hin zu Atemtechniken im Yoga. Auch waren die Schüler dazu angehalten, die Übungen schriftlich zu beschreiben und zu bewerten. Dies wiederum wurde Teil der Beurteilungsgrundlage für die Lehrer, unabhängig davon, wie sich der einzelne Schüler körperlich verhalten hat.

Eine wichtige Frage ist, was Schüler genau im Sportunterricht machen sollen. Sollten Ballspiele und traditionelle Sportarten weiterhin den Hauptteil der Unterrichtszeit ausmachen? Hier sind die Fachleute geteilter Meinung. Einige behaupten, dass Sportunterricht dazu da sei, um Schülern Sporttechniken beizubringen. Andere betonen den Gesundheitsaspekt. Wiederum andere glauben, dass den Schülern in erster Linie beigebracht werden sollte, „selbstaktiv“ zu sein.

Tanz- und Outdoor-Tätigkeiten haben auch ihre Befürworter. Morten Rustad glaubt, dass die Unterrichtszeit vielfältiger sein sollte und stützt seine Meinung dabei auf die schwedische Forschung: „Wenn du zu viel Zeit mit Ballspiel und damit verbringst bestimmte Abläufe zu lehren, werden Schüler leichter daran scheitern, eine bestimmte Sportart zu erlernen. Und von da an glauben Lehrer automatisch, dass Schüler nach diesen spezifischen Bewegungsabläufen bewertet werden sollten.“ Er glaubt, es besser, wenn Schüler unabhängiger und mit weniger Anweisung von den Lehrern agieren und sich auch in Sportarten austoben dürfen, die mehr Abenteuer versprechen.

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