Stress im Hörsaal – Worunter Studierende in Deutschland leiden

Orientierungsberater Andreas PeezKürzlich schlug die AOK Alarm: In einer repräsentativen Umfrage von über 18.000 Studierenden gaben 53% an, sich durch das Studium sehr gestresst zu fühlen – ein höherer Wert als bei Arbeitnehmern! Wenn sich nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch die Hochschulwelt in Richtung eines Burnout-Systems entwickelt, wie steht es dann um unseren akademischen Nachwuchs?

Orientierungsberater Andreas Peez aus München kennt die Thematik aus seiner Beratungspraxis sehr gut: „Den gelassenen, „chillenden“ Studenten treffe ich immer weniger an“, sagt er. „Viele Studierende machen sich einen unglaublichen Druck, weil durch die steigenden Akademikerzahlen natürlich auch die Konkurrenz bei den Hochschulabsolventen wächst.“ Gerade in wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen gebe es an einigen Hochschulen schon im Bachelor-Studium ein stark ausgeprägtes Konkurrenzdenken unter den Kommilitonen. Die Folge sei, so Andreas Peez, dass sich der Stress vor dem Abitur nahtlos in das Bachelor-Studium verlängere und die Studierenden dann sehr jung und mit guten Noten, aber völlig erschöpft und manchmal ohne einen Plan zu ihrer beruflichen Zukunft auf den Arbeitsmarkt stolpern.

Die AOK-Studie listet als hauptsächliche Stressoren zu große Stoffmengen und Prüfungsdichten sowie eine ausufernde Menge an Hausarbeiten auf, die bewältigt werden müssen – Masse statt Klasse. Anders als in früheren Generationen sind die Studierenden also heute durch Faktoren belastet, die unmittelbar mit dem Hochschulsystem verknüpft sind – und weniger durch finanzielle Belastungen oder die Doppelbelastung von Studium und Nebenjob.

Überraschenderweise schneiden duale Studiengänge, die bei vielen als besonders stressig gelten, weil man dort sowohl Student als auch fest eingeplanter Arbeitnehmer ist, in der Studie der AOK eher gut ab – hier ist der Anteil der Studierenden, die sich als belastet bezeichnen, deutlich niedriger als im Durchschnitt. Vermutlich hat die feste und geplante Integration von Lernen und Arbeiten neben den Herausforderungen auch einen entlastenden Effekt, da beide Aspekte aufeinander abgestimmt sind.

So resümiert Orientierungsberater Andreas Peez: „Der Stress, den viele Studierenden heute empfinden, rührt wohl auch daher, dass sie einerseits im Studium vielen Zwängen unterliegen, sich andererseits aber selbstverantwortlich und gleichzeitig um ihre berufliche und persönliche Entwicklung kümmern sollen und ständig suggeriert bekommen, dass andere besser und schneller sind.“ Ein gesamtgesellschaftlicher Trend also, der nun auch den akademischen Nachwuchs betrifft.

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