Studie: Was machen Auslandsaufenthalte mit uns?

Was machen Auslandsaufenthalte mit uns? Schneller erwachsen werden im Ausland

Man hört es immer wieder: Auslandsaufenthalte machen sich nicht nur gut im Lebenslauf, sondern bringen uns auch persönlich weiter.

Psychologen der Uni Jena haben das jetzt in einer Studie mit rund 1.000 Studenten von etwa 200 deutschen Hochschulen belegt. UNICUM fasst die Ergebnisse für euch zusammen:

  • Alle Studenten haben im Untersuchungszeitraum an Verträglichkeit und emotionaler Stabilität gewonnen. Bei denen, die im Ausland waren, war diese Entwicklung ausgeprägter als bei den Zuhausegebliebenen.
  • Das heißt: Die Studierenden mit Auslandsaufenthalt haben in besonderem Maße an Vertrauen, Freimütigkeit, Uneigennützigkeit, Bescheidenheit und Gutherzigkeit gewonnen und gleichzeitig an Ängstlichkeit, Reizbarkeit und sozialer Befangenheit verloren.
  • Ein Gewinn an Verträglichkeit und emotionaler Stabilität gehört laut Forschern zu den Veränderungen, die Laien als Erwachsenwerden empfinden.
  • Der Auslandsaufenthalt hat also eine Entwicklung verstärkt, die die Menschen im Verlauf ihres Lebens üblicherweise durchmachen. Er hat sozusagen dazu geführt, dass die Studenten schneller erwachsen werden.

Auslandssemester vs. Auslandsjahr

  • Studenten, die sich für einen Auslandsaufenthalt entscheiden, zeigen sich vorher extrovertierter als ihre Kommilitonen, die zuhause bleiben. Das heißt, sie sind geselliger, aktiver, erlebnishungriger.
  • Wer sich für ein ganzes Jahr im Ausland entschieden hat, zeigte sich deutlich offener und flexibler als die Kontrollgruppe.
  • Studierende, die sich für ein halbes Jahr im Ausland entscheiden, sind dagegen deutlich gewissenhafter als die Kontrollgruppe. Die Forscher führen das auf die unterschiedlichen Gründe für einen Auslandsaufenthalt: Wer vor allem der Karriere wegen ins Ausland geht, bleibt offenbar meist nur für ein Semester.
  • Erstaunlich: Ob jemand ein halbes oder ein ganzes Jahr im Ausland verbringt, macht für die Persönlichkeitsentwicklung keinen großen Unterschied.

Die BIG FIVE – Prüfsteine unserer Persönlichkeit

Psychologen gehen davon aus, dass unsere Persönlichkeit von fünf großen, relativ unabhängigen Dimensionen geprägt ist. Dies sind die Merkmale, die den Fragebogenerhebungen zugrunde liegen:

  • Offenheit für Erfahrungen
  • Verträglichkeit
  • Extraversion/nach außen gewandte Haltung
  • Gewissenhaftigkeit
  • Neurotizismus ≠ emotionale Stabilität

Befragt wurden sowohl Studierende, die planten, ins Ausland zu gehen, als auch eine Kontrollgruppe, die während des gesamten Studienzeitraums in Deutschland blieb.

3 Fragen an Dr. Julia Zimmermann

I. Ihre Studie zeigt, dass Auslandsaufenthalte uns persönlich weiterbringen. Wie erklären Sie sich das Ergebnis?
Das lässt sich mit der Anzahl der internationalen Kontakte erklären. Unsere Studie zeigt nämlich auch, dass Studierende im Ausland mehr etablierte Kontakte abbrechen und neue, vor allem internationale Kontakte aufbauen. Diese neuen internationalen Kontakterfahrungen können die Effekte von Auslandserfahrungen auf die Persönlichkeitsmerkmale Offenheit und emotionale Stabilität erklären.

II. Sie waren während Ihres Studiums selbst zweimal im Ausland. Hat die Studie Ihre persönlichen Erfahrungen bestätigt?
Ich hab im Ausland viele spannende Erfahrungen gemacht und hatte auch das Gefühl, dass mich das irgendwie verändert hat. Deshalb haben mich die Ergebnisse nicht wirklich überrascht. Aber ich kann natürlich nicht sagen, was genau in welcher meiner Persönlichkeitsdomänen passiert ist.

III. Auslandserfahrungen bringen uns also weiter. Bedeutet das, dass jeder Student mal über den Tellerrand blicken sollte?
Unsere Studie liefert ein weiteres Argument für die Förderung von Auslandsaufenthalten und die Teilnahme an solchen Programmen. Ich würde aber nicht so weit gehen, Auslandsaufenthalte als Allheilmittel zu sehen. Schließlich gibt es auch andere Erfahrungen, die die Persönlichkeitsentwicklung beeinflussen können, zum Beispiel Partnerschaft oder Elternschaft.

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