Studium und Nebenjob – Belastung oder Chance?

Orientierungsberater Andreas Peez

Carina B. aus Stuttgart studiert Wirtschaftsingenieurwesen im 4. Semester. Ein herausforderndes Studium mit anstrengenden Wochen an der Uni, aber dienstags und freitags geht sie nach der Vorlesung immer ins Büro. Denn sie arbeitet in der Marketingabteilung eines Automobilzulieferers als Werkstudentin – und liegt damit im Trend.

Die Mehrheit der deutschen Studierenden geht heute einer Nebenbeschäftigung nach. Orientierungsberater Andreas Peez aus München weiß aus seiner Beratungspraxis: „Von ihren Eltern voll finanzierte bzw. komplett durch BAföG oder Stipendien abgefederte Studierende werden allmählich zur aussterbenden Spezies. Die Mehrheit arbeitet – und zunächst geht es einmal darum, Geld zu verdienen.“

Denn begehrte Studentenstädte und Metropolen wie Berlin haben sehr hohe Lebenshaltungskosten. Und wenn das Studium nicht zur Hungerkur werden soll, sind die meisten Studierenden heute auf ein selbst finanziertes Einkommen angewiesen, und sei es nur, um sich ab und zu mal etwas leisten zu können. Die Furcht – bei den Studierenden, aber auch ihren Eltern – ist jedoch häufig groß, dass das Geldverdienen zu Lasten des Studiums gehe: sei es durch schlechtere Noten oder einen verzögerten Abschluss.

13 Wochenstunden arbeiten deutsche Studierende heute im Durchschnitt, hat eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ermittelt. Und dieselbe Studie hält weitere interessante Daten vor: So erhärtet sich der subjektive Eindruck, dass immer weniger Studenten ohne Nebenjob durchs Leben gehen. Während sich zu Beginn des Studiums noch 80 % auf die Vorlesungen voll konzentrieren, sind ab dem 4. Semester bereits über die Hälfte aller immatrikulierten Studenten Arbeitnehmer in Teilzeit.

Ebenfalls interessant: Der Wechsel von Magister- und Diplomstudiengängen auf das verschultere und mit mehr Pflichtveranstaltungen und Druck belegte Bachelor– und Master-System hat kaum etwas an der Beschäftigtenquote der Studierenden geändert: Es arbeiten heute etwa genauso viele Studenten nebenher wie vor der Umstellung der Studienstruktur. Und: Studierende mit Nebenjob haben kaum schlechtere Abschlussnoten als ihre Kommilitonen, die sich voll und ganz aufs Studium konzentrieren konnten, und benötigen kaum länger als diese, um ihr Studium abzuschließen. Die Unterschiede zwischen beiden Gruppen sind zu vernachlässigen.

Orientierungsberater Andreas Peez resümiert daher: „Abgesehen davon, dass die Studie belegt, dass Nebenjobs dem Studium nicht zwingend „schaden“, finde ich es wichtig, auf die positiven Effekte hinzuweisen: Jeder Nebenjob, auch studienfremde Aushilfstätigkeiten z. B. in der Gastronomie, ermöglichen Studierenden Einblicke in Prozesse und Strukturen des Arbeitslebens. Und je näher die Tätigkeit am künftigen Berufsziel angesiedelt ist, desto realistischer ist auch die Chance, Kontakte zu knüpfen und im besten Fall sogar auf diese Weise seinen ersten Job vermittelt zu bekommen.“ Die Tatsache, dass heute 86% aller Studierenden im Laufe Ihres Studiums mindestens einmal einem Nebenjob nachgehen, ist also eine gute Nachricht.

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