Traumbranche Hotellerie? – Warum den Betrieben der Nachwuchs ausgeht

Orientierungsberater Andreas Peez

Peter K. aus Magdeburg hatte es sich so schön vorgestellt: Denn wenn immer er mit seinen Eltern in den Urlaub gefahren war, hatte er die Angestellten in den Hotels fast schon um ihren Job beneidet. Schönes Wetter, entspannte Gäste, eine angenehme Stimmung, anderen eine Freude bereiten – was konnte es Besseres geben? So war es nur logisch, dass es für Peter nach seinem Realschulabschluss nur einen Weg geben konnte: die Ausbildung zum Hotelfachmann. Zwei Jahre später hat sich die Situation jedoch leider um 360 Grad gedreht: Peter ist um viele Illusionen ärmer – und hat seine Ausbildung abgebrochen.

Orientierungsberater Andreas Peez aus München kennt zahlreiche ähnliche Fälle wie den von Peter aus seiner täglichen Beratungspraxis: „In keinem anderen Bereich sind die Abbrecherquoten so hoch wie in der Hotellerie und Gastronomie“, erklärt er. „Jeder Zweite gibt auf.“ Und schlimmer noch: Parallel zu den hohen Verlusten in der Ausbildung geht die Zahl der Azubis in der Branche seit Jahren drastisch zurück: von über 100.000 im Jahr 2007 auf nur noch die Hälfte zehn Jahre später. Laut dem DIHK schaffen es die Betriebe zurzeit nur noch, für die Hälfte der Ausbildungsplätze geeignete Interessenten zu finden.

Die Folgen dieser Misere sind klar zu erkennen: Personalmangel, Rückgriff auf ungelernte Servicekräfte, dadurch nachlassende Servicequalität und Zufriedenheit der Gäste, hohe Fluktuation in den Belegschaften und in der Folge auch kein kontinuierlicher Aufbau an Wissen und Erfahrung. Wo vorwiegend angelernte Aushilfen beschäftigt sind, sinken die Verdienstmöglichkeiten potenziell weiter, und die gelernten Kräfte suchen früher oder später das Weite und orientieren sich beruflich nicht selten völlig neu.

Was aber sind die Ursachen für den eklatanten Nachwuchsmangel im Hotel- und Gaststättengewerbe? Sollte es nicht attraktiv sein, in der Freizeitindustrie zu arbeiten, dort wo man entspannten Menschen in ihren freien Stunden eine Freude bereiten kann? Der Branchenverband Dehoga sieht sich weniger in der Verantwortung – und weist vor allem auf die Vorzüge in der Tourismusindustrie hin: Es gebe gute Aufstiegsmöglichkeiten, die Option der Selbständigkeit, und in Anbetracht der Schichtzuschläge sei der Verdienst besser als immer behauptet werde.

Orientierungsberater Andreas Peez analysiert die Situation: „Es kann sein, dass junge Menschen heute anspruchsvoller als früher sind und daher mit den Arbeitsbedingungen nicht mehr so gut zurechtkommen. Es sollte jedem von vorneherein klar sein, dass Hotellerie Schicht-, Feiertags- und Wochenenddienst bedeutet.“ Andererseits, ergänzt Peez: „Meine Klienten erzählen mir von wirklich sehr fragwürdigen Arbeitsbedingungen, wie zum Beispiel zahllose, nicht adäquat ausgeglichene Überstunden oder ein durch den Stress bedingtes mieses Betriebsklima mit einem schlechten Umgang zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern. Es erscheint mir so, als würde die ältere Generation nicht verstehen, dass sie attraktivere Rahmenbedingungen schaffen muss, um die Jüngeren zu begeistern und zu halten. Und wenn das das nicht klappt, wird die Schuld auf die verwöhnten jungen Leute geschoben.“

Dennoch, so Orientierungsberater Peez, spreche nach wie vor auch einiges für einen Job in der Tourismusindustrie: „Gute Aufstiegsmöglichkeiten, ein tolerantes Umfeld und die Zusammenarbeit mit Menschen sind grundsätzlich ein Plus. Ich empfehle jedem, vorab ein Praktikum zu machen, um die Erwartungen mit der Realität abzugleichen. Und ein akademischer Abschluss im Bereich BWL/ Tourismusmanagement wird immer mehr zum Türöffner für die attraktiven Jobs in der Branche.“

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