Warum gehen viel zu wenige Jugendliche ins Ausland?

Als Bildungsberater ist für mich der längerfristige Auslandsaufenthalt (ab 3 Monaten) für Schüler, Jugendliche und Studenten, parallel zur Schule oder Studium absolviert, der absolute Bildungsturbo!

Ausnahmslos alle Rückkehrer haben sich positiv verändert. Einige konnte ich direkt am Flughafen wieder in der Heimat begrüßen, andere bestätigten mir dies telefonisch. Am besten ist es bei der Rückkehr zu beobachten: Es beginnt bei der Körpersprache (aufrechter Gang, leuchtende Augen, sympathische Ausstrahlung) und zeigt sich später vor allem auch beim multikulturellen Verständnis. Solche Erfahrungen wie Anpassung, Auseinandersetzung mit neuen Kulturen und das Gefühl erleben, fremd zu sein, haben die Rückkehrer geprägt.

Ich habe es auch bei meinen beiden Söhnen beobachten können. Nach ihren längerfristigen Auslandsaufenthalten kamen sie zurück und die Weichen waren in die richtige Richtung gestellt. Das heißt aber nicht, dass man sich nun zurücklehnen kann. Aber es fällt vieles leichter, weil die Einstellung stimmt und die Rückkehrer auch belastbarer geworden sind. Dort, wo Mitschüler bzw. Kommilitonen Probleme sehen, gibt es für Auslandserfahrene oft keine.

Die Persönlichkeit hat sich im Eiltempo entwickelt, weil sie im Ausland viele Entscheidungen selbst treffen mussten, da Eltern und Freunde nicht anwesend waren. Außerdem konnten sie sich, ohne ihre Familie an der Seite, neu entdecken und neu definieren. Meist zeigt sich diese Entwicklung auch darin, dass viele nach ihrer Rückkehr einen neuen Freundeskreis aufbauen. Die Daheimgebliebenen sind eben „sitzengeblieben“.

Aber warum nutzen nicht mehr junge Leute/Eltern die vielen Bildungsangebote fürs Ausland, wenn diese so viele entscheidende Vorteile mit sich bringen? In meiner Beratertätigkeit habe ich den Eindruck gewonnen, dass mindestens die Hälfte von  Auslandswilligen an der Finanzierung scheitert.

Ich habe 2003 für meinen Sohn (10-monatiger High School Besuch in den USA) noch 10.000 € bezahlt. Heute gibt es bis zu 5.600 € als Geschenk vom Staat. Die Fördertöpfe vom Staat und EU für Bildungsaufenthalte im Ausland waren noch nie so prall gefüllt wie heute. Leider wissen es die meisten Eltern nicht. Außerdem kennen die meisten Auslandsplaner die Sätze mit Neidfaktor: „Kannst du das denn überhaupt finanzieren? Also ich könnte mir das nicht leisten!“

Also, was kann gemacht werden, dass mehr Jugendliche auf ihrem Bildungsweg einen Abstecher ins Ausland nehmen? Was fehlt den Beteiligten an Informationen oder fehlt ein direkter Ansprechpartner? Ist es die Finanzierung? Oder gibt es bei Eltern die Angst, dass ihr Kind im Ausland scheitern könnte oder ihm etwas zustößt? Erfahrungen, Meinungen und Ansichten zu diesen Thema interessieren nicht nur Schüler und Studenten, sondern auch Eltern, die meist die Finanzierung stemmen müssen.

bildungsdoc empfiehlt – Infos, Hinweise & Tipps:

10 Gedanken zu “Warum gehen viel zu wenige Jugendliche ins Ausland?

  1. Ich denke dass es primär eine Frage des Geldes ist. Es ist ja nicht gerade billig. Ich hab selber ein High School Jahr in den USA gemacht, welche ja meistens von privaten Unternehmen organisiert werden… bei “privat” denkt man auch nicht an Fördermittel, weil das wohl eher staatlichen Organisationen vorbehalten ist… zumindest hat sich das bei mir so eingeprägt… Wenn mehr von den finanziellen Fördermöglichkeiten wüssten, dann wären wohl auch mehr bereit ins Ausland zu gehen.

  2. Vieles was ich im Beitrag gelesen habe, kommt mir sehr bekannt vor. Auch ich war zum High School Year in Pennsylvania/USA. Ich weiß nicht, ob es 2001 Förderprogramme gab. Ich habe auch danach nicht recherchiert – da bin ich mit Chris deckungsgleich. Meine Eltern waren nicht vermögend, aber ich wollte das Abenteuer High School. Schließlich hatte ich mich mit Rückkehrern unterhalten.

    Ich habe dann eins gemacht, was ich auch jeden empfehlen kann: Meine Eltern haben mir damals ein Konto eingerichtet, wo sie mir monatlich mein Taschengeld eingezahlt haben. Außerdem habe ich meine Verwandten vor Geschenke-Feiertagen (Weihnachten, Ostern,…) und bei guten Zensuren angerufen und meine Kontonummer durchgegen. Statt Geschenke lieber Bares! Außerdem bin ich jobben gegangen. Kleine Arbeiten verrichtet und es gab immer sofort Geld. Nach knapp 2 Jahren bin ich dann in die USA gestartet. Und es war so ,wie ich es gehört habe – unvergeßlich erlebnisreich und schön!

    Später bin ich noch für 1 Jahr zum Auslandsstudium nach Argentienien gegangen und habe aufgrund meiner bisher zahlreichen Auslandsaufenthalte ein internationales Netzwerk mit vielen Freunden aus aller Welt aufgebaut.

    Heute bin ich in einer mittelständischen Firma beschäftigt und beschäftige mich mit der Neueröffnung von Geschäftsstellen auf allen Kontinenten. Ohne meine Auslandserfahrungen wäre dies wahrscheinlich nie machbar gewesen. Ich glaube auch, dass die Finanzierung das wirklich größte Problem darstellt.

  3. Hätte es damals schon die Fördermittel gegeben, wäre die Planung der Finanzierung (für meine Eltern) nur halb so aufwendig gewesen 😉

    Ich kann den heutigen Schülern nur ans Herz legen, ein solches Jahr im Ausland zu machen. Egal, ob man dann das Jahr dran hängen muss und somit 13 Jahre Schule (im Osten) insgesamt machen muss. Es lohnt sich alle mal!

    Wenn ich an mein High School Jahr zurück denke, dann wünschte ich mir, ich hätte mein Studium gleich noch in den USA anschließen können. Unglaublich, welch neue Freunde man über das Jahr gewonnen hat. Jetzt, nach fast 8 Jahren steh ich immer noch, auch Dank Facebook 😉 mit meinen High School Freunden und meiner Gastfamilie in Kontakt.

    ALSO: “nervt” eure Eltern, dass ihr so ein High School Jahr macht, ich hab’s damals auch getan 😉 Besonders meine Mom hatte große Bedenken bzgl. der Finanzierung des Ganzen. Aber wie ihr seht, gibt es heute viele Möglichkeiten finanzielle Unterstützung vom Staat und von der EU zu bekommen!

    Go for it! 😀

    Viele Grüße,
    Felix

  4. Letztes Jahr habe ich über das ERASMUS Förderprogramm an einem Auslandssemester in Cork/Irland teilgenommen und habe darüber auch Fördermittel bezogen. Desweiteren wurde mir Auslands BAföG bewilligt.

    Für viele – auch für mich war es das größte Kriterium – stellt der finanzielle Aspekt die Hauptrolle dar. Wenn man sich aber rechtzeitig mit dem Thema Auslandsaufenthalt auseinandersetzt, sich informiert, welche Möglichkeiten es gibt, sollte das Abenteuer Ausland für jeden realisierbar sein.

    Deswegen finde ich eine Internetseite, wie “bildungsdoc” es ist, als zentrale Anlaufstelle sehr gut. Hier bekommt man die wichtigsten Informationen aufgezeigt und kann sich dann gezielt weiter informieren, ohne ewig im Internet recherchieren zu müssen.

  5. Ja, ich finde auch, dass viel mehr in’s Ausland gehen sollten. Aber man kann es natürlich nicht jeden aufzwängen, manche sind einfach nicht der Typ dafür.

    Ich war nun insgesamt 2-2,5 Jahre von 25 Lebensjahren im Ausland mit 2 längeren Aufenthalten und kulturellen Urlaubsreisen. Kann nur sagen, dass mich die 10% dieser Zeit neben der guten Erziehung meiner Ellis positiv geprägt haben.

    Möchte es nicht missen!

  6. Ich hab selbst ein High School Jahr in den Staaten absolviert und kann die Argumente nur unterstützen. Der erste Schritt ins Ausland ist sicher der schwiergste, aber es lohnt sich! Ich hab mittlerweile schon 2 weitere Jahre im Ausland während meines Studiums verbracht, welche ich durch Fördermittel mitfinanziert habe. Nutzt die heutigen finanziellen Förderprogramme! Das erleichtert einfach vieles und dann genießt die beste zeit eures Lebens!

  7. Das Thema “Auslandsaufenthalt” hat uns vor ca. 11 Jahren intensiv beschäftigt. Wir waren mit unserer Tochter in mehreren Infoabenden bei Anbietern, um uns mit dem Schüleraustausch zu beschäftigen. Klar war auch eine gewisse Angst um unser Kind da. Gleich 10 Monate allein ins Ausland und das in dem Alter. Finanziell haben wir es dadurch hinbekommen, dass wir zwei Jahre auf unseren 4-wöchigen Auslandsurlaub verzichtet haben. Der Rest kam durch die Großeltern.

    Was ich mir damals gewünscht hätte ist folgendes: Es gibt sehr viele Erfahrungsberichte und an den Infoabenden haben auch Rückkehrer von ihren Aufenthalt erzählt. Aber Berichte, wie die Auslandsaufenthalte geplant und finanziert wurden, mit jeder Menge kleiner Tipps und Tricks, gab es nicht. Das wäre hilfreich gewesen, sicherlich auch heute. Vielleicht kann bildungsdoc solche “Erfahrungsberichte zur Planung und Finanzierung” von Rückkehren einholen und sie online stellen. Das, denke ich, wäre ein gute Sache!

    Übrigens war es die beste Entscheidung von meiner Frau und mir, auf unseren Urlaub zu verzichten. Wir haben eine Tochter zurückbekommen, auf die wir sehr stolz sind. Sie hat “danach” sehr viele richtige Entscheidungen getroffen – allein.

  8. Also nach 3 Sekunden überlegen habe ich für mich entschieden, dass es weder am Geld liegt noch an Angeboten, sondern hauptsächlich an den Eltern und am Elternhaus. Sprich Familie. Ist die Familie nicht pro Ausland eingestellt, dann wird das Interesse in meisten Fällen erst gar nicht geweckt. In anderen Nationen, meist mit einer kleineren Bevölkerungszahl, sieht dies anders aus, da das Land allgemein internationaler sein muss und sich an andere Länder anpassen muss. Somit auch viele Familien. Fazit: Ein größeres politisches und sozial-gesellschaftliches Bewusstsein gegenüber die heutzutage fast schon Notwendigkeit eines Auslandsaufenthaltes sollte in allen Bevölkerungsschichten geweckt und gefördert werden.

    ich habe selbst schon längere Zeit im Ausland gelebt (11 Jahre) und kann mit gutem Gewissen sagen, dass es mich nicht nur karrierebezogen glänzen lässt, sondern einfach als Mensch weiter gebracht hat und ich anders lebe und prioritiere.

    Ein obligatorischer Auslandsaufenthalt für jeden Schüler in Deutschland wäre meine erste Amtshandlung als Kanzler. Staatlich gefördert natürlich. Aber solange dies nicht ist: Immer ran an den Globetrottertraum! Einmal im Sog, immer global dabei. See you.

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