Was ist Bachelor-Abschluss auf dem Arbeitsmarkt wert?

Andreas Peez
Orientierungsberater Andreas Peez

Diplom in Deutschland, Maîtrise in Frankreich und Bachelor of Arts in Großbritannien – vor 15 Jahren erschwerte die Vielfalt der Abschlüsse die Transparenz in der Hochschulbildung und die Mobilität der europäischen Studierenden

Daher wurde 1999 die Bologna-Erklärung unterzeichnet, mit dem Ziel, europaweit ein vergleichbares Hochschulsystem mit vergleichbaren Abschlüssen einzuführen.

Vorbild waren die angelsächsischen Titel Bachelor (erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss) und Master (weiterführender Abschluss), die in allen beteiligten Ländern gleichwertig anerkannt werden sollten: Ein  Bachelor-Abschluss in BWL an einer deutschen Fachhochschule, und anschließend ohne bürokratische Hürden und Nachbelegungspflicht ein Master in Personalmanagement an einer spanischen Universität – das war in etwa die Vision, und 15 Jahre später lässt sich feststellen, dass sich die Durchlässigkeit in der europäischen Hochschulbildung tatsächlich enorm verbessert hat.

Eine der größten Sorgen von Kritikern war stets, wie ein Bachelor-Abschluss auf dem Arbeitsmarkt angenommen würde. Ist ein 22-jähriger Absolvent eines Bachelor-Studiengangs überhaupt alt und reif genug fürs Arbeitsleben? Hat er nach sechs oder sieben Semestern schon genug Wissen für die Praxis? Geben die Personalabteilungen Bewerbern mit Bachelor-Abschluss überhaupt eine Chance, oder bleibt der Titel eine Etappe auf dem Weg zum quasi obligatorischen Master?

Die Diskussion ist bis heute nicht beendet, aber es gibt nun statistische Daten des Demoskopie-Instituts Allensbach, die Licht ins Dunkel bringen. Demnach glaubt nicht einmal ein Viertel der befragten Studierenden, dass der Bachelor als Berufsqualifikation ausreicht, und fast zwei Drittel planen fest ein Masterstudium gleich im Anschluss ein.

Dem stabilen Arbeitsmarkt sei Dank finden zwar auch Bachelor-Absolventen meist einen Job, aber sie verdienen durchschnittlich nur zwei Drittel von dem, was Master-Absolventen erwarten können. Dies liegt auch daran, dass sich die Bewerber mit Bachelor-Abschluss nicht selten mit Tätigkeiten zufrieden geben müssen, die deutlich unter ihrem Niveau liegen. Für all diese Daten gilt übrigens, dass der FH-Bachelor insgesamt einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglicht als der Uni-Bachelor.

Orientierungsberater Andreas Peez aus München kann diese Erkenntnisse bestätigen: Die meisten der Studienanfänger, die er berät, sehen den Bachelor als Durchgangsstation; nur wenige denken überhaupt darüber nach, gleich damit den Einstieg ins Berufsleben zu versuchen. Diese Haltung birgt durchaus einige Risiken, denn: „Die Schulabgänger sind heute oft sehr jung und denken, jetzt mache ich erst einmal irgendeinen Bachelor und überlege mir währenddessen, was ich eigentlich will. Und wenn dann der Master ansteht, stellen sie fest, dass sie mit ihrem Bachelor-Abschluss gar nicht in die Master-Programme hineinkommen, die sie interessieren würden. Das löst bei einigen eine regelrechte Krise aus.“ Eine solide Studienberatung beim Übergang von der Schule in die Hochschule ist heute daher wichtiger denn je, so Peez.

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