Welche Berufsbilder liegen bei Schulabgängern im Trend? Beobachtungen aus der Praxis

Orientierungsberater Andreas Peez

Orientierungsberater Andreas Peez

Wer sich heute für eine Ausbildung oder ein Studium entscheidet, folgt seinen Interessen und Begabungen, denkt sicherlich auch über den späteren Arbeitsmarkt nach und ist außerdem von gesellschaftlichen Trends beeinflusst, also von den Themen, die gerade im Trend sind und gewisse Berufsbilder plötzlich sehr attraktiv erscheinen lassen.

Um die beliebtesten Studienfächer zu ermitteln, wertet man schlicht die Immatrikulationsdaten der deutschen Universitäten und Hochschulen aus und überprüft, in welchen Studiengängen die meisten Studierenden eingeschrieben sind.

So fanden die Forscher vom CHE-Ranking im vergangenen Herbst heraus, dass der Studiengang Nummer 1 in Deutschland Betriebswirtschaftslehre ist, sowohl bei Männern als auch Frauen. Auf den Plätzen 2 bis 5 findet sich dann je nach Geschlecht eine etwas andere Rangfolge: Bei Frauen folgen Germanistik, Medizin, Jura und Pädagogik; bei Männern hingegen Maschinenbau, Informatik, Elektrotechnik und Jura. Diese Ranglisten scheinen alte Klischees zu bestätigen: BWL macht „jeder“; ansonsten schlagen Männer eher eine technische Laufbahn ein und Frauen tendieren zu „weichen“ und finanziell eher unattraktiven Disziplinen wie Germanistik und Pädagogik. Doch was sagen Berufsberater aus der Praxis zu diesen Ergebnissen?

Orientierungsberater Andreas Peez aus München kann die obigen Ranglisten in seiner täglichen Beratungspraxis nur teilweise bestätigen. „Meine Beobachtungen sind natürlich subjektiv, denn die Präferenzen der Schulabgänger hängen sicher auch vom Wohnort ab – es gibt vermutlich deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land, Nord- und Süd-, West- und Ostdeutschland. Außerdem nimmt ja nicht jeder Abiturient eine Studienberatung in Anspruch; zu mir kommt also eine bestimmte Zielgruppe.“

Dennoch bestätigt Peez eine anhaltend hohe Nachfrage nach Management-Studiengängen, auch wenn vielen Schulabgängern nicht klar ist, dass es sich dabei im Wesentlichen um BWL-Programme handelt. „Das Angebot an Studiengängen im Bereich BWL und Management inkl. unterschiedlichen Mischformen ist mittlerweile so groß, dass der Laie hier kaum noch durchblicken kann.“ Es sei also sehr sinnvoll, hier eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen, so Peez.

Was Jura betrifft, so nimmt Peez ein abnehmendes Interesse wahr, da sich herumgesprochen hat, dass sich der Berufseinstieg für viele Juristen doch recht holprig und unbefriedigend darstellt. Einen deutlichen Trend hingegen erkennt Orientierungsberater Andreas Peez im Bereich Gesundheit: „Das Medizinstudium ist aufgrund der strengen Zugangsvoraussetzungen für viele weiterhin ein unerreichbarer Traum, aber es haben sich in den letzten Jahren sehr viele alternative Studiengänge herausgebildet, die auch sehr gut angenommen werden. Aber nicht alles, wo Gesundheit, Ernährung oder Sport draufsteht, bietet langfristig interessante berufliche Perspektiven. Daher rate ich auch in diesem Trendbereich dazu, sich umfassend und neutral beraten zu lassen.“

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