„Das mach ich morgen!“ – Wenn die „Aufschieberitis“ die Ausbildung gefährdet

Orientierungsberater Andreas PeezMarkus P. aus München hatte sich nach dem Abitur erst ein Jahr Pause gegönnt, und dann noch eins. Anschließend fing er – eher aus Ratlosigkeit – an, BWL zu studieren.  Doch obwohl er recht schnell feststellte, dass er mit diesem Studium nichts anfangen konnte, dauerte es fünf Semester, bis er die Konsequenzen zog und sich für einen neuen Studiengang einschrieb. Diesmal entschied er sich für Philosophie, weil ein Mitbewohner seiner WG ihm davon vorgeschwärmt hatte. Nun ist er hier im dritten Semester, war aber bislang nur unregelmäßig in der Uni und hat auch nur wenige Prüfungen mitgeschrieben.

Auch wenn dieser Fall fiktiv ist: Orientierungsberater Andreas Peez aus München kennt ähnliche Geschichten aus seiner täglichen Beratungspraxis. Junge Frauen und Männer jenseits der Mitte 20, die allmählich Panik bekommen, weil ihre Freunde mittlerweile fast alle im Job sind und sie selbst mitten in einem zweiten oder dritten Studium stecken, das ihnen keine Freude bereitet und das sie womöglich nie erfolgreich beenden werden. Was tun?

Im Vordergrund steht häufig der Wunsch nach einer neuen Ausbildung, die diesmal auch wirklich passt. Doch nicht immer ist das Problem nur in der falschen Studienwahl zu suchen. Orientierungsberater Peez weiß aus Erfahrung, dass nicht selten noch etwas anderes hinter der unbefriedigenden Situation steckt: „Im Gespräch stellt sich dann oft heraus, dass der Klient grundsätzlich Probleme hat, sich Ziele zu stecken und diese erfolgreich zu verfolgen. Er verschiebt Termine und Aufgaben auf später und vermeidet Situationen, in dies offenkundig werden könnte. Und irgendwann verliert er dann den Anschluss und den Überblick.“

Das Phänomen, das dahinter stecken kann, lautet Prokrastination oder umgangssprachlich „Aufschieberitis“. Und es handelt sich nicht um „harmlose“ oder „ärgerliche Faulheit“, sondern unter Umständen um eine Störung der Selbststeuerung, die nicht nur die berufliche Zukunft, sondern auch den privaten Bereich erheblich beeinträchtigen kann.

Orientierungsberater Andreas Peez stellt hierzu fest: „In der Beratung ist es sehr wichtig herauszufinden, ob die aktuelle Situation rund ums Studium schwerpunktmäßig aus mangelnder Orientierung resultiert oder ob Prokrastination dahinter stecken könnte. Wenn ja: Geht es um falsche Prioritätensetzung oder mangelndes Zeitmanagement? Dann ist es wichtig, dies zu thematisieren und dem Klienten Methoden an die Hand zu geben, damit er an seiner Selbstorganisation arbeiten kann.“ Zusätzliche psychologische Unterstützung ist z. B. vor allem dann ratsam, wenn der kontinuierliche Misserfolg dazu geführt hat, dass die Person sich depressiv fühlt, oder wenn grundsätzlich ein Aufmerksamkeitsdefizit vorliegt. In diesen Fällen ist es dann wichtig, so Peez, beide Aspekte zu betrachten und sowohl an der Neuorientierung zu arbeiten als auch die psychische Verfassung zu stärken.

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