20 Jahre Bologna – Wie die Einführung von Bachelor und Master das Studium verändert hat

Orientierungsberater Andreas Peez1998 war es so weit. Nach langen Beratungen und viel Widerstand, vor allem aus der Wissenschaft, trat die so genannte „Bologna-Reform“ in Kraft und revolutionierte das Hochschulsystem im Deutschland. Denn die Durchsetzung dieser Reform bedeutete nichts anderes als den Abschied von Diplom und Magister an den deutschen Fachhochschulen und Universitäten – und die Einführung von Bachelor und Master, also von Hochschulabschlüssen, die eine angelsächsische Tradition hatten und daher so gar nicht ins altehrwürdige deutsche Bildungssystem zu passen schienen.

Der Anlass der Reform war die damalige Erkenntnis der Bildungsminister großer europäischer Nationen, dass sich der Wunsch nach einer verbesserten internationalen Mobilität der Studierenden nicht erfüllen würde, solange jedes Land noch sein eigenes individuelles System hegte und pflegte – denn dies erschwerte die Vergleichbarkeit europäischer Hochschulabschlüsse massiv und sorgte dafür, dass nur wenige Studierende den Sprung über die Landesgrenzen wagten.

Die Durchsetzung der Bologna-Reform war ein Kraftakt für alle Beteiligten und zog sich über viele Jahre hin, bis sie als weitgehend abgeschlossen betrachtet werden konnte. Grund dafür war Kritik und Widerstand, die sich damals an vielen Stellen bezüglich der geplanten Änderungen formierten: Man befürchtete „zu junge“ und daher nicht berufstaugliche Bachelor-Absolventen, man hatte Angst von zu spezialisieren Masterprogrammen, welche die Hochschulabgänger geradewegs in die Arbeitslosigkeit entlassen würden, und von zu verschulten Studiengängen, die die Herausbildung von akademischen Persönlichkeiten behindern würden.

Welches Fazit lässt sich 20 Jahre nach Verabschiedung der Bologna-Reform ziehen?

Orientierungsberater Andreas Peez aus München sieht die durch die Reform erzielten Veränderungen mehrheitlich positiv: „Die Einführung von Bachelor und Master hat dazu geführt, dass junge Menschen bereits nach drei bis vier Jahren Studium einen ersten akademischen Abschluss erlangen und auf dem Arbeitsmarkt einsteigen können. Das hat die Angst vor einem endlosen Studium voller finanzieller Entbehrungen vor allem bei denjenigen reduziert, die aus weniger begüterten Haushalten stammen und früher vermutlich aus rein ökonomischen Gründen eine Ausbildung bevorzugt hätten.“ Außerdem, so Andreas Peez, ermöglicht die Kombination der beiden akademischen Abschlüsse, sich im Bachelor zunächst eine breite Basis anzueignen und später im Master eine passende Spezialisierung daraufzusetzen – gegebenenfalls nach einer Unterbrechung, in der zunächst Praxiserfahrung gesammelt wurde.

Natürlich ist nicht alles eitel Sonnenschein. Auch Orientierungsberater Peez aus München hat beobachtet, dass manche Hochschulen, gerade auch private, weiterhin auf sehr exotische Studienprogramme setzen, die die Herausbildung einer breiter anwendbaren Wissensbasis eher verhindern: „Dies“, so Andreas Peez, „und eine teils starke Kommerzialisierung des Bildungsmarktes kann man durchaus auch kritisch sehen.“

Auf jeden Fall hat die größere Vielfalt die Orientierung für junge Schulabgänger erschwert, dann kaum jemand blickt noch durch, wenn er sich erstmals mit dem Dschungel der Hochschulen und ihren unterschiedlichen Angebote und Modelle beschäftigt. Hier empfiehlt sich eine professionelle, neutrale und persönliche Orientierungsberatung.

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