Anonym bewerben – Pro und Contra

Vor einigen Tagen wurde bei der F.A.Z. eine Diskussion zum Thema “Anonym bewerben – Pro & Contra” geführt. Für diejenigen, die den Originalartikel lesen möchten, er findet sich hier (=> F.A.Z Artikel).

Es stellt sich die Frage, ob man sich rückhaltlos auf die eine oder andere Seite schlagen kann. Das wird aus meiner Sicht kaum möglich sein.  Zuerst zu den Pros´s: Betrachten wir einen gut qualifizierten Arbeitnehmer, der unverschuldet durch eine Insolvenz arbeitlos geworden ist, und 50 Jahre alt ist. Dieser Arbeitnehmer wird es schlicht aufgrund des Alters schwer haben, wieder unterzukommen. Auch wenn sonst alle anderen Eckdaten stimmen incl. der Gehaltsvorstellung. In einem solchen Fall kann ein anonymer Bewerbungsprozess sehr wohl von Vorteil sein.

Und vor dem Hintergund der demografischen Entwicklung in unserem Land ist die Chancenverbesserung für ältere Arbeitnehmer ein absolutes Muss. Wenn der Jugendwahn der vergangenen Jahre weiter anhielte, würde über kurz oder lang das ganze soziale Sytem kollabieren. Also auch aus dieser Perspektive ein ganz klares “Pro” für die anonyme Bewerbung. Aber wie gesagt die Welt ist nicht schwarz / weiss. Es gibt auch noch diverse Grautöne.

Kommen wir nun zum Bereich Contra. Wir sind doch alles optisch geprägte Menschen. Was ist also so schlimm daran, wenn ein Bewerber das Geld in die Hand nimmt und sich ein erstklassiges Bewerbungsfoto erstellen lässt? Man bedenke: er vermarktet sich selber. Und da ist es aus meiner sicht nur Fug und Recht, wenn er ein anständiges Foto nimmt.

Das gleiche trifft auf die Mappen zu. Der Bewerber, der hier Feingefühl an den Tag legt und nicht zur 08/15 Standardmappe greift, hat sich möglicherweise wieder einen Vorteil erarbeitet. Na und?

Es gibt Stimmen, die sagen, dass man den Personaler dadurch beeinflussen würde. Sicher. Aber das ist doch Teil des Spieles. Wer würde auf die Idee kommen ein hochwertiges Auto zu bewerben ohne Bilder einzusetzen? Und schließlich sind die angesprochenen Personaler doch meistens auch lange genug im Job, um richtig mit solchen “Manipulationen” umzugehen.

Bei der Abwägung der Pro´s und Contra´s überwiegen aus meiner Sicht die Contra´s (wenn auch knapp). Erlaubt ist, was gefällt. Und es ist absolut legitim, sich durch eine perfekte Präsentation der eigenen Person Vorteile zu verschaffen. Schließlich geht es um die Vermarktung der eigenen Person. Und vermarkten hat immer etwas mit Beeinflußung zu tun…

Henrik von Petersdorff, Bewerbungscoach

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