Bildungslandschaft Deutschland: Akademiker fühlen sich im Süden wohl

Orientierungsberater Andreas Peez

Über die Ungleichheit, was die Rahmenbedingungen in Deutschlands unterschiedlichen Regionen betrifft, wird viel geschrieben und diskutiert: Nord und Süd, Ost und West, Land und Stadt. Eine kürzlich von der OECD veröffentlichte internationale Bildungsstudie belegt nun: Auch was die deutsche Bildungslandschaft betrifft, gibt es erhebliche regionale Unterschiede.

Interessant ist zum Beispiel der Blick darauf, wo die Akademikerquote besonders hoch und wo sie besonders niedrig ist. Zwar gilt nicht mehr die frühere Faustregel, dass ein Studium vor Arbeitslosigkeit „schützt“, während beruflich Qualifizierte hier größeren Risiken ausgesetzt sind – und so verkürzt war diese Regel wohl auch nie zutreffend. Der demografische Wandel und die lang andauernde wirtschaftliche Hochphase haben jedenfalls dafür gesorgt, dass beide Gruppen annähernd gleiche Jobchancen haben. Aber: Besonders in Deutschland verdienen Akademiker im Durchschnitt weiterhin deutlich mehr als ihre nicht-akademischen Kollegen – d. h. wo viele Akademiker leben, ist das Einkommensniveau auch höher.

So überrascht es eher nicht, sagt Orientierungsberater Andreas Peez aus Münschen, dass die Akademikerquote im Süden Deutschlands am höchsten ist – von den Stadtstaaten abgesehen, liegt sie in den Flächenländern Bayern, Baden-Württemberg und Hessen mit jeweils über 30% am höchsten. Es sind dies die Regionen mit zahlreichen Konzernzentralen und einem stark ausgeprägten innovativen Mittelstand. Den niedrigsten Wert verzeichnet aktuell Sachsen-Anhalt mit gut 20%.

Die Branchenstruktur der einzelnen Bundesländer findet auch Niederschlag in der Fachrichtung der dort lebenden Akademiker: Der höchste Anteil an sogennanten MINT-Absolventen, also Personen mit einem Studienabschluss in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, findet sich in Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern mit jeweils fast 40%. In diesen Regionen ist die Automobilindustrie besonders stark, was die hohen Werte u. a. erklärt. Umgekehrt ist der Anteil der Sozial- und Geisteswissenschaftler in den Stadtstaaten, also den Großstädten, besonders hoch: Kein Wunder, denn dort sitzen die großen Universitäten, Organisationen und Forschungseinrichtungen.

Diese und weitere Ergebnisse der OECD-Bildungsstudie sind nicht nur hilfreich, um die aktuelle Situation zu verstehen, sondern auch relevant hinsichtlich zukünftiger Entwicklungen. Denn der Anteil der Menschen, die nach ihrem Schulabschluss ein Studium und keine Berufsausbildung aufnehmen, steigt seit Jahren kontinuierlich und liegt deutschlandweit mittlerweile bei 52%. Und der Trend geht eher weg von den MINT-Fächern hin zu „weicheren“ Studiengängen wie z. B. sozialwissenschaftlichen Programmen, was Experten häufig beklagen. Der Zuzug in die Ballungsräume und die damit verbundenen Probleme wie die Belastung der dortigen Infrastruktur und des dortigen Wohnungsmarktes werden demnach wohl weiterhin anhalten – und die regionalen Unterschiede werden sich so vermutlich nicht verkleinern als sich vielmehr weiter verschärfen.

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