Auf halbem Weg gescheitert: Deutschland und seine Studienabbrecher

Orientierungsberater Andreas PeezSeit vielen Jahren steigt die Zahl der jungen Leute, die nach ihrem Schulabschluss an eine Hochschule gehen, kontinuierlich. Mittlerweile beginnen 60 % der Schulabgänger ein Studium, und das ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass viele Jahre lang die Regel galt, dass etwa ein Drittel eines Jahrgangs es an die Uni schafft.

Gerade dieser hohe – oder hoch erscheinende – Prozentsatz hat zuletzt immer wieder zu einer lebhaften Diskussion geführt, ob es mittlerweile nicht längst schon zu viele Studierende gebe. Man spricht dann gerne von einer „Akademikerschwemme“ oder einem „Akademisierungswahn“.

Orientierungsberater Andreas Peez aus München hat in seiner Beratungspraxis hingegen differenziertere Beobachtungen machen können: „Der Trend zum Studium ist klar da, das kann ich bestätigen“, sagt er. Er fügt aber auch hinzu: „Eine Akademikerschwemme kann ich allenfalls in gewissen Teilbereichen erkennen, aber sicherlich nicht global.“ Denn was in vielen Diskussionen vergessen werde, so Orientierungsberater Peez, sei die erschreckend hohe Zahl an Studienabbrechern. Und so kommt es, dass zwar 60 % eines Jahrgangs ein Studium beginnen, aber nur ein gutes Drittel eines Jahrgangs ein Studium auch erfolgreich abschließen. Und dies ist im internationalen Vergleich geradezu ein kümmerlicher Wert.

Denn global betrachtet beginnen über zwei Drittel aller Schulabgänger ein Studium, und etwa die Hälfte eines Jahrgangs beendet es mit Erfolg. Und mit dem Trend zum Studium in Deutschland hat sich auch der Trend zum Studienabbruch verstärkt, wie Experten beobachten. So stellt Orientierungsberater Andreas Peez fest: „Bei mir sitzen nicht selten junge Leute in der Beratung, die schon vor mehreren Jahren ihr Abitur geschrieben haben und nun bereits das dritte Studium abgebrochen haben.“ Die Gründe dafür sind sehr individuell, so Peez, aber häufig wird die Notwendigkeit einer beruflichen Orientierung lange verdrängt, und anschließend geht es völlig unvorbereitet und mangelhaft informiert in einen mehr oder weniger zufällig ausgewählten Studiengang, nach dem Motto: „Wird schon gutgehen.“

Dass es oft genug jedoch eben nicht gutgeht, belegen die obigen Zahlen, und so kann man jedem Schulabgänger nur wünschen, dass er sich die Zeit nimmt und die Möglichkeit hat, sich vorab zu informieren und beraten zu lassen, um den für ihn passenden Ausbildungsweg zu finden.

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