Interview: Deutschlands Ingenieursstudierende entdecken die Welt

Professur in AustralienIn Australien Ingenieurs- und Management-Know-how verbinden 

Edward Szczerbicki ist ein Paradebeispiel für die internationale Entwicklung des Wissenschaftsbetriebs, gerade auch in den Ingenieurswissenschaften. Der gebürtige Pole lebt seit 1994 in Australien. Er hat einen Master und einen PhD an der TU Stettin und einen Doctor of Science der TU Danzig erworben und acht Jahre in den USA, Großbritannien und Deutschland geforscht. Der Professorentitel wurde ihm 2006 vom polnischen Präsidenten verliehen. Mit Berlin verbindet ihn die Zusammenarbeit mit dem führenden Springer Wissenschaftsverlag.

An der australischen University of Newcastle ist der international hervorragend vernetzte und engagierte Wissenschaftler als Assistant Dean für die internationalen Kontakte seiner Fakultät verantwortlich. Auf seiner Tour durch Deutschland wirbt er für ein besonderes Programm der University of Newcastle, den Master of Engineering Management (MEM), das er koordiniert. Seine Schwerpunkte in der Lehre liegen bei Computer Modelling and Simulation und Engineering Economic Analysis

Die University of Newcastle ist eine von 27 Universitäten in Australien, die von IEC vertreten wird. IEC bietet mit seinem kostenlosen Beratungs- und Informationsservice Zugang zu englischsprachigen Studienprogrammen an rd. 100 Universitäten in 14 Ländern rund um den Globus.

Frage: Prof. Szczerbicki, warum zieht es immer mehr angehende Ingenieurinnen und Ingenieure aus Deutschland an Universitäten in aller Welt?

Edward Szczerbicki: Das ist eine erstaunliche Entwicklung. Als ich vor zehn Jahren meinen Kollegen sagte: Wir müssen deutsche Studierende an die University of Newcastle holen, haben die abgewunken. Der Grund ist naheliegend: Noch immer ist Deutschland einer der besten Orte, um eines unserer Fächer zu studieren. Dennoch erleben die jungen Leute, dass auch Global Player aus Deutschland wie die Automobilbranche heute Mitarbeiter schätzen, die Auslandserfahrung haben. Die Studierenden merken schon früh, dass unsere Scientific Community ein Global Village geworden ist.

Frage: Und die Dorfsprache ist Englisch?

E. S.: Genau. Zu Anfang meiner Laufbahn habe ich als Pole noch auf Deutsch veröffentlicht. Meine beiden letzten Bücher sind auf Englisch veröffentlicht worden – bei einem deutschen Fachverlag. Und mein australischer Co-Autor stammt aus Vietnam. So läuft das heute überall!

Frage: Australien als Einwanderungsland mit Englisch als Alltagssprache ist also ein nahe liegendes Ziel. Was kann die University of Newcastle Studierenden denn fachlich bieten?

E.S.: Nirgendwo in der Welt habe ich mich so angenommen gefühlt als Zugereister wie in Australien. Davon profitieren auch Studierende, die nur für ein Auslandssemester kommen. Die University of Newcastle zählt inzwischen zu den 100 führenden Universitäten der Welt im Bereich der Ingenieurswissenschaften. Das sage nicht ich, sondern das aktuelle QS World University Ranking. In Australien sind wir die Nr. 1.

Frage: Was heißt das für die Studienpraxis?

E.S.: Wir sind eine überschaubare Fakultät mit einem Lehrkörper von rd. 100 Personen. Die kommen von überall auf der Welt und freuen sich darauf, einen engen Kontakt zu ihren Studierenden zu haben. Wir sind sehr forschungsstark und geben das sofort in der Lehre weiter. Insgesamt gilt Australien als sehr gut in der internationalen Forschungsgemeinschaft vernetzt. Außerdem ist Diversity in Australien ein hohes Gut und so sind wir in Newcastle nicht nur sehr international, sondern haben auch einen vergleichsweise hohen Anteil von 20% Frauen in der Studierendenschaft.

Frage: Unterscheiden sich deutsche Studierende von anderen?

E.S.: Ja, positiv. Sie haben einen sehr guten Ruf bei meinen Kollegen und mir, weil sie wirklich etwas lernen wollen und einen ganzen Kurs mitreißen können. Das ist natürlich auch eine Herausforderung für eine Universität, denn sie erwarten zu recht mindestens das gleiche Qualitätsniveau wie zu Hause. Aber wir wissen, was sie wollen und stellen uns auch thematisch darauf ein, ob es um das Thema Grüne Energien oder um die Konstruktion von Autos geht.

Frage: Prof Szczerbicki, Sie promoten MEM, das Master of Engineering Management Program. Was ist das?

E.S.: Management-Themen werden im Ingenieursalltag immer wichtiger. Dem trägt das Programm Rechnung. MEM ermöglicht es 50 Studierenden im Jahr einen doppelten Masterabschluss in ihrem Heimatland und Australien zu machen. Aufgrund unserer guten Vernetzung funktioniert die Credit-Anerkennung optimal. Sie können also das erste Jahr ihres Masters in Deutschland absolvieren. Dann kommen sie für mindestens ein Semester mit vier Kursen nach Newcastle und erhalten nach Abschluss des vierten Semesters an der Heimatuni einen Master beider Universitäten. Ehrlich gesagt gefällt es aber vielen internationalen Studierenden so gut bei uns, dass sie gleich für zwei Semester bleiben.

Frage: Prof. Szczerbicki, Ihre akademische Laufbahn hat sie immer wieder in Küstennähe geführt: Stettin und Gdansk in Ihrer Heimat, später Glasgow, schließlich Newcastle. Zufall?

E.S.: Überwiegend, nach Danzig zog es mich allerdings, weil ich als junger Mann endlich auf dem Meer segeln wollte. Im Vergleich hat Newcastle natürlich einen großen Standortvorteil: das Klima. Hier ist das Wasser im Winter so kalt wie es in der Ostsee im Sommer höchstens warm wird. Und Sydney mit seinem attraktiven Kulturleben liegt vor der Tür, aber die Lebenshaltungskosten sind in unserer Universitätsstadt nur halb so hoch wie dort.

Frage: Apropos Geld: Was kostet denn das MEM-Programm an Studiengebühren?

E.S.: Zwei Semester mit acht Kursen kosten 23.000 AUD. Da sie aber auch mit einem Semester auskommen können, halbieren sich die Kosten. Umgerechnet sind das zur Zeit etwa 8.000 € für ein Semester. Ich würde sagen ein besseres Preisleistungsverhältnis, um einen doppelten, anerkannten akademischen Abschluss zu bekommen, kann ich mir kaum vorstellen.

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