Die Entscheidung nach der Entscheidung: Welche Uni-Stadt ist die richtige?

Orientierungsberater Andreas Peez

Emilia S. aus Stuttgart war erleichtert: Nach endloser Grübelei sowie Diskussionen mit ihrer Familie und ihren Freunden war die Entscheidung gefallen – sie würde ihr gut bestandenes Abitur dafür nutzen, ein Studium der Politikwissenschaften aufzunehmen. Doch als die Bewerbung um einen Studienplatz anstand, geriet sie bald in eine Art von Unruhe und Panik, die sie noch aus der Phase ihrer Studienwahl gut kannte: Sie blickte überhaupt nicht mehr durch und wusste nicht, wo sie sich bewerben sollte. Und wo sie sich bewerben konnte.

Orientierungsberater Andreas Peez aus München kennt ähnliche Fälle wie den von Emilia S. sehr gut. Er sagt: „Zu einer professionellen Studienberatung gehört es aus meiner Sicht nicht nur dazu, das passende Studienfach zu finden, sondern auch über geeignete Studienorte zu sprechen.“ Denn seiner Erfahrung nach wissen Schulanfänger sehr häufig nicht, nach welchen Kriterien sie hier vorgehen sollen und lassen sich dann stark von kursierenden Trends und Gerüchten leiten, die möglicherweise für sie persönlich weder zutreffen noch passen.

Welche Uni-Stadt ist also die richtige? Es gibt hier natürlich nicht die eine passende Antwort, aber gewisse Anhaltspunkte. Da ist zum einen der Numerus Clausus: Wenn ein Studienfach zulassungsbeschränkt ist – und vielen Schulabgängern ist es bis zum Abitur nicht klar, wie häufig dies der Fall ist – sowie abhängig vom persönlichen Abiturschnitt kann dieser die Auswahl schon beschränken.

Hier tut sich das nächste Problem auf: Zu viele Studienanfänger entwickeln den gleichen Plan. Orientierungsberater Andreas Peez hat beobachtet: „Hiesige Schulabgänger wollen, wenn sie München verlassen, häufig in Bayern bleiben, gerne z. B. im nahen Regensburg studieren. Wenn in eine andere große Stadt, dann oft nach Berlin. Und wenn ins Ausland, dann oft nach Wien.“ Hohe Lebenshaltungskosten am Studienort, geringere Chancen auf einen Studienplatz sowie schlechtere Wohn- und Studienbedingungen sind die Folge.  Auch im Jahr 2019 gehen nur wenige Westdeutsche zum Studieren in den Osten (mit der Ausnahme vom angesagten Leipzig), aber auch selten Süddeutsche in den Norden. Der Wunsch nach einem Studienort in angenehmer Nähe zu Familie und Freunden ist natürlich sehr nachvollziehbar, aber wer sich weiter hinaus traut, wird mit vielen neuen Erfahrungen belohnt, die andere nicht so sammeln werden.

Ein weitere wichtige Frage wird ebenfalls häufig übersehen: Gibt es am Studienort bzw. in der Nähe gute Möglichkeiten, relevante Praxiserfahrung durch inhaltlich passende Werkstudententätigkeiten aufzubauen? So kann ein Informatikstudent, der während des Semesters in einer nahe gelegenen IT-Firma jobbt, schon im Laufe seines Studiums Erfahrungen sammeln und Kontakte knüpfen. Gibt es am Studienort keine passenden Arbeitgeber in ausreichender Zahl, wird er ggf. auf klassische Studentenjobs wie z. B. in der Gastronomie ausweichen – die können Spaß machen und bringen Geld, relevante Arbeitserfahrung für den späteren Beruf lässt sich so jedoch nicht sammeln.

Emilia S. übrigens hat sich getraut und ist von Stuttgart in den Norden gegangen. Für sie als angehende Politikwissenschaftlerin war klar, dass sie nur in einer größeren Stadt spannende Werkstudententätigkeiten für sich finden würde. Nachdem für Berlin und Hamburg ihr Abiturschnitt nicht ausgereicht hat, studiert sie jetzt in Bremen. Uni und Stadt gefallen ihr sehr gut, und einen Job in einem Meinungsforschungsinstitut hat sie jetzt auch gefunden. Der ist zwar in Hamburg, aber die 50 Minuten Fahrt mit der S-Bahn nimmt sie einmal in der Woche gerne in Kauf, um dort an spannenden Projekten mitzuarbeiten.

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