Existenzgründung für Profis – Praxiseröffnung für Heilpraktiker

ExistenzgründungIn Deutschland gibt es circa 35.000 Heilpraktiker, die in rund 4.000 Praxen beschäftigt sind.

Viele Heilpraktiker entschließen sich nach der Ausbildung eine eigene Praxis zu eröffnen – mehr oder weniger erfolgreich.

Laut Statistik müssen in den ersten Jahren bereits über die Hälfte der Praxen wieder geschlossen werden. Doch warum?

Kaufmännische Wissenslücken

Auch wenn man sich entschließt, externe Dienstleister für die kaufmännische Seite des Unternehmens zu beauftragen – was sehr teuer werden kann – müssen diese kontrolliert werden. Zumindest ein Grundverständnis von Zahlen und deren Zusammenhänge sollte man sich daher vor der Praxiseröffnung aneignen. In so ziemlich jeder größeren Stadt werden dafür Kurse von Volkshochschulen angeboten. Wem dazu die Zeit fehlt, der kann sich auch online schlau machen.

Zu hohe Kosten

Ein Leid, mit welchem viele Existenzgründer zu Beginn zu kämpfen haben, ist, dass die tatsächlich erwirtschafteten Umsätze im Gegensatz zu den Kosten zu gering ausfallen. Diese Schere sollte natürlich vor der Praxiseröffnung kalkulatorisch geschlossen werden. Deswegen bietet es sich an – auch wenn man auf Kredite der Bank angewiesen ist – einen Businessplan zu erstellen. Dieses Instrument zwingt jeden Gründer dazu, sich auch im Vorhinein mit diesen sicher ungeliebten, aber sehr wichtigen Themen auseinanderzusetzen. Natürlich sollte man nicht an der falschen Stelle, wie zum Beispiel bei der Software zur Sicherung von Kundendaten, sparen. Dennoch sollte man sich überlegen, ob man wirklich die hohen Mietpreise mitten im Stadtzentrum zahlen muss, wenn sich auch Praxisräume in einer Nebenstraße anbieten.

Zu wenig Startkapital

Bei der Finanzplanung sollte man sich bemühen, den Finanzbedarf möglichst realistisch zu kalkulieren. Plant man mit zu wenig Startkapital, kann es passieren, dass man schon vor dem ersten Patienten kein Geld mehr für dringend benötigte Anschaffungen übrig hat. Nimmt man jedoch zu viel Fremdkapital auf, muss man hohe Zinsen zahlen und belastet die Praxis dann – oft unnötig – mit zusätzlichen Kosten.

Unrealistische Erwartungen

Zuerst sollte man einmal mit geringem Patientenaufkommen kalkulieren. Da es die Praxis auf dem Markt noch nicht so lange wie andere, bereits etablierte Praxen gibt, ist es durchaus realistisch, zu Beginn mit weniger Patienten zu rechnen. In den Folgejahren sollte man sich dann langsam in der Planung bezüglich des Patientenaufkommens und der Behandlungsanzahl steigern. Weiterhin sollte man auch bedenken, dass das eigene Honorar niedriger ausfallen kann als geplant, wenn man zum Beispiel zur Anlockung von Neukunden kostenlose Schnupperbehandlungen anbietet.

Marketing

Bei vielen Praxiseröffnungen spielt das Thema Marketing gar keine Rolle. Das ist allerdings ein Fehler. Gerade bei noch unbekannten Unternehmen ist es von Bedeutung, Neukunden auf sich aufmerksam zu machen. Es fängt bei einfachen Schritten, wie der Eintragung ins Branchenverzeichnis, an und sollte bis hin zum Aufsetzen einer eigenen Website mit der Angebotsübersicht und Kontaktinformationen gehen. Auch um Druckunterlagen wie Flyer, Plakate und Visitenkarten sollte man sich insbesondere in der Anfangszeit kümmern. Natürlich bedeutet das alles zuerst einmal einen etwas höheren finanziellen Aufwand. Doch gerade am Anfang sollte man hier nicht am falschen Ende sparen und in die Bekanntmachung der Praxis investieren.

Falsche Marktabschätzungen

Es bringt Existenzgründern nichts – außer Fehlinvestitionen – wenn sie in einen bereits gesättigten Markt eindringen. Auch im Gesundheitswesen ist  das leicht möglich. Es kann passieren, dass man seine Praxis neben einer bereits etablierten eröffnet und dann nicht die erwünschte Patientenzahl erreicht. Es lohnt sich, sich eingehend ein objektives Urteil  über den regionalen und lokalen Standort zu bilden, bevor man sich für einen Ort entscheidet.

Von der Theorie zur Praxis

Ein Punkt der immer wieder unterschätzt wird, ist die Anwendung des in der Ausbildung Gelernten in der Praxis. Man muss natürlich das Prüfungswissen auch auf die Probleme der Patienten beziehen können und Verantwortung für gestellte Diagnosen und therapeutische Maßnahmen übernehmen. Deswegen sollte man sich nach der Ausbildung erst gründlich überlegen, ob man direkt, sowohl die Hürden der Existenzgründung als auch die komplette Verantwortung für seine Behandlungen tragen kann beziehungsweise möchte. Sicherheit und viel praktisches Wissen können auch erst einmal durch Praktika bei verschiedenen Kollegen erlangt werden.

Wer noch mehr zum Thema „Praxiseröffnung für Heilpraktiker“ erfahren möchte, kann sich bei Lecturio einen kostenlosen Ratgeber herunterladen. Neben dem Thema Gründungsfehler kann man hier weiteres kompaktes Wissen zu allen Belangen der Existenzgründung erlangen.

2 thoughts on “Existenzgründung für Profis – Praxiseröffnung für Heilpraktiker

  1. Es ist wahrlich nicht einfach sich in der heutigen Zeit als Heilpraktiker selbstständig zu machen. Ich bin damals erst auf eine Teilzeitstelle gewechselt bevor ich den endgültigen Schritt in die Selbstständigkeit gewagt habe. So konnte ich mir meinen Kundenstamm in Ruhe aufbauen. Ich wünsch euch allen viel Erfolg, es lohnt sich 😉

  2. Vielen Dank für einen interessanten Beitrag zur Praxiseröffnung für Heilpraktiker. Ich bin einverstanden, dass es wichtig ist, dafür einen Businessplan zu erstellen. Meine Bekannte möchte sich als Heilpraktikerin selbständig machen, daher soll ich Ihr mit dem Businessplan helfen. Ich werde auch die genannten Tipps gerne mit ihr teilen.

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