Private Hochschulen im Trend – Studieren zunehmend eine Geldfrage?

Orientierungsberater Andreas Peez

Katharina L. aus Frankfurt wusste schon vor ihrem Abitur genau, was sie studieren wollte: Medienmanagement, und zwar an einer privaten Hochschule für angewandte Wissenschaften. Ihre Eltern, beide den klassischen Uni-Weg gegangen, staunten nicht schlecht, als Katharina ihnen zudem eröffnete, dass „alle ihre Freundinnen“ an privaten Hochschulen studieren wollten. War das denn notwendig, fragten sich Katharinas Eltern? Gab es denn keine staatlichen Studienplätze mit einem Abiturschnitt von 2,6, den Katharina schließlich erreichte?

Orientierungsberater Andreas Peez aus München stellt fest, dass in der Tat immer mehr Studierende auf privaten Hochschulen eingeschrieben sind. Und Zahlen belegen diesen Eindruck: Gab es zur Jahrtausendwende in Deutschland nur wenige Privathochschulen, hat sich deren Zahl in den letzten 20 Jahren verzehnfacht – und die immatrikulierten Studierenden auf diesen Hochschulen werden jedes Jahr mehr. Aktuell studieren ca. 250.000 Menschen an privaten Hochschulen; das ist zwar nicht einmal jeder zehnte in Deutschland Immatrikulierte, aber die Zahl wächst eben seit Jahren steil.

Andreas Peez legt übrigens Wert darauf, nicht pauschal von Qualitätsunterschieden zwischen vermeintlichen Top-Unis und mäßigen Privatschulen zu sprechen. Licht und Schatten gebe es auf beiden Seiten, sagt er, und schließlich gehe es in erster Linie darum, ein für die individuelle Person passendes Angebot zu finden – und das ist für nicht wenige eben eine private Hochschule.

Das sind zum einen in der Tat die Numerus-Clausus-Betroffenen: Medizin und Psychologie geht bei vielen eben nur mit Top-Noten, viel Glück oder über eine Privatuniversität, die dann allerdings meist happige Gebühren verlangt, die definitiv nicht von jedermann einfach zu stemmen sind.

Die meisten Privathochschulen in Deutschland sind allerdings keine Universitäten, sondern Hochschulen für angewandte Wissenschaften, früher FHs. Auch dort studieren Menschen, die z. B. keinen staatlichen Studienplatz in Sozialer Arbeit bekommen haben. Aber viele sind dort eingeschrieben, weil ihr Studiengang nicht oder kaum an staatlichen Hochschulen angeboten wird, oder nicht in der gewünschten Region. Oder weil sie dort in Teilzeit oder berufsbegleitend, auch abends und am Wochenende studieren können – ideal für Menschen, die sich weiterqualifizieren möchten, ohne ihren Job aufzugeben, oder die Betreuungs- und Pflegeaufgaben übernehmen müssen bzw. vielleicht gesundheitlich eingeschränkt sind – überall hier sind private Hochschulen deutlich flexibler als ihre staatliche Konkurrenz. Private Hochschulen haben tendenziell also eine buntere Klientel als staatliche Institutionen und sind häufig, wenn man sich alle Kosten genau durchrechnet, nicht zwingend „teuer“ oder ausschließlich für die Kinder gut situierter Eltern.

Orientierungsberater Andreas Peez ergänzt: „Wo insbesondere private Hochschulen sicherlich noch aufholen müssen, ist im Bereich der Forschung.“ Wer sich künftig eher als Forscher oder Wissenschaftler sieht, eine Promotion oder akademische Karriere anstrebt, wird also höchstwahrscheinlich weiterhin an einer klassischen Universität studieren.

Und Katharina L.? Sie konnte ihre Eltern überzeugen, nachdem diese sahen, dass es mit ihrem Wunschstudium an einer staatlichen Hochschule tatsächlich schwierig werden müssen. Katharina bekommt die Gebühren finanziert, wohnt aber weiterhin zu Hause und muss sich mit einem Werkstudentenjob etwas dazu verdienen. Eine Vereinbarung, mit der alle drei zufrieden sind.

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