Sind Studiengebühren nun sinnvoll?

StudiengebührenDas Thema Studiengebühren wird einmal wieder in den Zeitungen diskutiert. Der kürzlich auf ZEIT ONLINE erschienene Artikel “Briten meiden die Unis” berichtete darüber, dass Großbritannien die Studiengebühren wieder kräftig angehoben hat. Im Zuge dessen soll die Zahl der Studienbewerber zurückgegangen sein. Nicht nur die Zahl der  Einheimischen, auch die der Bewerber aus der EU ging um mehr als ein Zehntel zurück.

Liegt es aber an den hohen Studiengebühren, dass die Zahl der Bewerber zurück geht?

Ein weiterer Artikel der ZEIT ONLINE (“Streit um Wirkung von Studiengebühren”) berichtete über die Ergebnisse verschiedener Studien, die den Zusammenhang zwischen Zahl der Studienanfänger und (die Einführung von) Studiengebühren untersuchten. Schnell stellte sich heraus, dass sich – wie so oft – die Ergebnisse in Abhängigkeit der Datenvergleiche unterschieden. Es wurde erst behauptet, dass trotz der Einführung von Studiengebühren die Zahl der Neu-Studierenden angestiegen sei. Doch nach einem Deutungsfehler der Daten stellte sich heraus, dass die Studierbereitschaft mit der Gebühren-Einführung signifikant gesunken war.

Es gibt immer Gegner und Befürworter. Die einen meinen, dass die Studiengebühren zur sozialen Ungleichheit führten, die anderen argumentieren mit besseren Studienbedingungen. Eins ist Fakt: Deutschland spart übertrieben in seiner Bildung. Jede Hochschule nimmt immer mehr Studienanfänger auf bei steigenden Einsparungen von Bund und Länder im Bildungssektor. Die Folge ist: Lehrangebote reichen nicht mehr aus, Tutuorenstellen werden gestrichen bzw. müssen eingespart werden, Studiengänge vergrößern sich, … Die Studienbedingungen sind alles andere als optimal!

Studieren in Deutschland ist im internationalen Vergleich doch günstig!

Vergleichen wir unser Bildungssystem mit dem der USA oder Großbritannien, sind die von dem Studenten (in Deutschland) zu erbringenden Kosten Peanuts. Amerikanische Studenten haben nach Studienabschluss z.T. schon 60.000 USD Schulden angesammelt. Da studieren wir doch in Deutschland durchaus günstig. Der Vergleich bringt dem Einzelnen aber nichts!

Meiner Meinung nach sind Studiengebühren dann gerechtfertigt, wenn der Student dafür optimale Studienbedingungen erhält. Was nützt mir ein “kostenloses” Studium, wenn ich wegen meinem überfüllten Studiengang in der Vorlesung auf der Treppe sitzen muss; ich an Übungen und Tutorien nicht teilnehmen kann, weil die Räumlichkeiten einfach nicht mehr ausreichen; der Prof nicht auf meine Fragen und Anliegen persönlich eingehen kann, weil er neben mir noch Hundert andere Studenten betreuen muss. Doch würden Studiengebühren das alles verbessern können? Ich bezweifel es! Führten Unis wieder Studiengebühren ein, würden die Länder wieder im Bildungssektor einsparen. Es bleibt also weiterhin ein Thema der deutschen Bildungspolitik.

2 thoughts on “Sind Studiengebühren nun sinnvoll?

  1. Dass das Studium in Deutschland günstig sei, ist oftmals nur noch eine Floskel. Die verdeckten Kosten, die deutsche Studenten jedes Semester für private Unterrichtsstunden, Sprachtests und Repetitorien bezahlen, werden nicht offiziell veröffentlicht. Sie tauchen auch in keiner Statistik auf, denn sie würden zum gezielten Hinterfragen dieser Zahlen Anlass bieten. Aber das möchten die 16 selbstgefälligen Bildungsministerien verhindern.

    Es ist eine Situation, die so nicht weiter tragbar ist. Aber wie soll sich daran etwas ändern, solange auch in der Bildungspolitik der Rotstift regiert. Die Hochschulen und Universitäten kennen die Probleme ihrer Studenten. Aber sie verlassen sich mittlerweile schon auf Angebote der privaten Nachhilfeanbieter und zeigen wenig Interesse, Studium und Prüfungen besser aufeinander abzustimmen.

    Würde man es mit der Bildungsrepublik wirklich ernst meinen, gäbe es ein Bundesministerium für Bildung. Mit der Abschaffung der vielen kleinen Länderbaustellen könnten immense Verwaltungskosten eingespart werden. Und Deutschland würde das bekommen, was die Jugend von heute so dringend benötigt: zeitgemäße Bildungskonzepte, die flexibel auf die neuen Anforderungen reagieren können. Es gäbe genügend Geld, um auch die Studienbedingungen entscheidend zu verbessern. Außerdem müssten sich nicht immer mehr Doktoranden über Dumpinglöhne und Ausbeutung beklagen!

  2. Also ich studiere zur Zeit selbst in den USA und lerne somit mal das andere Extrem kennen was Studiengebühren angeht.
    Auf der einen Seite muss ich sagen, dass ich einige Amerikaner(innen) kennen gelernt habe, die nach ihrem Undergrad-Studium mit knapp $100.000 Schulden da stehen – andere finanzieren sich jedoch über Stipendien bzw. durch ihre Eltern, welche allerdings seit der Geburt ihrer Kinder damit Rechnen Zehntausende von Dollar in die Bildung der Kinder zu stecken.
    Der Beitrag stellt glaube ich die richtige Frage: Welchen Effekt haben Studiengebühren auf die Lehre? Aus meiner Erfahrung muss ich sagen, dass man in den USA VIEL besser betreut wird. Vorlesungen werden mehrmals die Woche angeboten, was es ermöglicht in kleineren Gruppen zu studieren. Dadurch wird das Studium persönlicher und jeder einzelne wird mehr gefordert und gefördert. Zu Beginn meines Stuidums in Deutschland sagte mein Dekan das von den Studenten eine aktive Mitarbeit erwartet wird. Eingefordert wurde sie selten oder nie und ich denke das liegt vorallem daran das Kapazitäten knapp sind und einzelne Studenten zuwenig betreut werden.
    Von daher denke ich, dass Studiengebühren zwei postive Effekte haben könnten:
    1. Bessere Austattung und Betreuung der Studenten
    2. Studenten werden bei ihrer Studienwahl effizienter.

    Natürlich darf das Finanzierungsthema nicht vergessen werden. Andere Länder (Australien, England) haben ja vorgemacht wie es gehen könnte.

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