Stipendien der EU: Weiteres Rekordjahr für Erasmus

Im Studienjahr 2012/2013 haben fast 270.000 Studierende – so viele wie nie zuvor – Stipendien der EU für Studien- oder Berufsbildungsaufenthalte im Ausland erhalten. Dies ist gestern von der Europäischen Kommission veröffentlichten Statistiken zu entnehmen.

Am beliebtesten waren weiterhin Aufenthalte an anderen Hochschulen, doch bereits ein Fünftel der Studierenden (55.000) entschied sich für Erasmus-Praktika in Unternehmen. Die drei beliebtesten Zielländer für Erasmus-Studierende waren 2012/2013 Spanien, Deutschland und Frankreich. Gemessen an der Gesamtzahl der Hochschulabsolventen im Land entsandten Luxemburg, Liechtenstein, Finnland, Lettland und Spanien die meisten Studierenden.

“Seit 27 Jahren ermöglicht esErasmus Studierenden, ihren Horizont und ihre Kompetenzen zu erweitern, indem sie eine gewisse Zeit im Ausland verbringen. Die jüngsten Zahlen belegen, dass Erasmus beliebter ist denn je. Dabei vermittelt das Programm nicht nur ein Gefühl der Zugehörigkeit zur europäischen Familie; durch die beim Erasmus-Aufenthalt erworbenen Kompetenzen verbessern sich auch die Beschäftigungsfähigkeit und die beruflichen Perspektiven der Studierenden. Unser neues Programm Erasmus+ wird in den kommenden sieben Jahren noch mehr jungen Menschen die Möglichkeit geben, im Ausland zu studieren, sich fortzubilden, zu arbeiten oder einen Freiwilligendienst zu leisten”, erklärte Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend.

Den Statistiken zufolge betrug das durchschnittliche Erasmus-Stipendium, das einen Teil der Reise- und der Aufenthaltskosten im Ausland abdecken soll, 272 EUR pro Monat, d.h. 9% mehr als im Vorjahr (250 EUR). In einigen Ländern stocken nationale oder regionale Stellen oder die Hochschulen das Erasmus-Stipendium mit zusätzlichen Geldern auf.

Doch Erasmus ist nicht allein ein Austauschprogramm für Studierende. Im akademischen Jahr 2012/2013 erhielten auch über 52.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Forschung, Lehre und Verwaltung Fördermittel für Lehr- oder Weiterbildungsaufenthalte im Ausland aus dem Programm. Von den im Ausland gemachten Erfahrungen profitieren nicht nur die entsandten Personen, sondern durch die Verbesserung von Lehre und Lernen auch die Heimateinrichtungen. Zudem entschlossen sich 500 Mitarbeiter von Unternehmen – 20% mehr als im Vorjahr – zu einem Lehraufenthalt an Hochschulen im Ausland. Dies macht deutlich, dass ein vermehrtes Interesse daran besteht, die allgemeine und berufliche Bildung besser an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes auszurichten.

Im Rahmen des neuen Programms Erasmus+ werden im Laufe der kommenden sieben Jahre (2014-2020) 4 Millionen Menschen Finanzhilfen erhalten, darunter 2 Millionen Studierende und 300.000 Hochschulmitarbeiter. Ebenfalls finanziert werden Austauschmaßnahmen zwischen Europa und Partnerländern in aller Welt (135.000 Studierende und Mitarbeiter). Das erweiterte Programm, das die bisherige Erasmus-Mobilität sowie ähnliche Mobilitätsmaßnahmen für andere Personengruppen, darunter Auszubildende und Freiwillige, umfasst, setzt verstärkt auf sprachliche Unterstützung, flexiblere Regeln für Finanzhilfen sowie zusätzliche Förderung für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, aus benachteiligten Gruppen und aus abgelegenen Gebieten.

Hintergrund

Die Kommission hat in ihrer Strategie für die Modernisierung der Hochschulbildung (IP/11/1043) unterstrichen, dass Studierende mehr Möglichkeiten benötigen, um sich durch Studien- oder Praktikumsaufenthalte im Ausland zusätzliche Kompetenzen anzueignen. Entsprechend hat die EU es sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der Studierenden, die ins Ausland gehen, bis 2020 auf mindestens 20% zu erhöhen. Derzeit liegt der Anteil derjenigen, die mit Hilfe von Erasmus bzw. anderen öffentlichen Förderprogrammen oder auf eigene Kosten einen Studien- oder Fortbildungsaufenthalt im Ausland absolvieren, bei etwa 10 %. Rund 5 % erhalten ein Erasmus-Stipendium.

Erasmus war bisher Teil des Programms für lebenslanges Lernen (2007-2013), an dem 33 Länder teilnahmen: die EU-Mitgliedstaaten, Island, Liechtenstein, Norwegen, die Schweiz und die Türkei.

Erasmus+, das neue EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport, ist im Januar 2014 angelaufen. Es verfügt für den Zeitraum 2014-2020 über ein Gesamtbudget von knapp 15 Mrd. EUR, d.h. 40% mehr als im Vorläuferzeitraum.

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