Internationale Studie: Deutsche Schulen müssen digital nachrüsten

Ohne eine konzeptionelle Verankerung digitaler Medien in den Schulen werde Deutschland im internationalen Vergleich auch zukünftig nicht über ein mittleres Leistungsniveau hinaus kommen. So ein Ergebnis der internationalen Vergleichsstudie ICILS, die in Berlin vorgestellt wurde. Demnach befindet sich Deutschland im mittleren Bereich der Rangreihe der Länder.

In der Schulleistungsstudie erreichten die Achtklässler in Deutschland einen Leistungsmittelwert von 523 Punkten und damit ein Leistungsniveau, das zwar signifikant über dem internationalen Mittelwert von 500 Punkten aber nur im Bereich des Mittelwerts der Vergleichsgruppe EU (525 Punkte) liegt. Mit der Schulleistungsstudie ICILS 2013 wurde erstmalig international vergleichend untersucht, in welchem Maße Schüler in der achten Jahrgangsstufe über computer- und informationsbezogene Schlüsselkompetenzen verfügen.

Wenig Schüler auf der höchsten Kompetenzstufe

Entwicklungsbedarf, so die Autoren der Studie, zeige sich für Deutschland vor allem aufgrund der geringen Anteile an Schülern auf der höchsten Kompetenzstufe. Zudem erreichen etwa 30% der Achtklässler in Deutschland nur die untersten beiden Kompetenzstufen I und II. Ein nicht unerheblicher Teil der Jugendlichen erreicht also nur über rudimentäre Fertigkeiten im kompetenten Umgang mit neuen Technologien. Und: Jugendliche aus unteren und mittleren sozialen Lagen wiesen vergleichsweise geringe Kompetenzen auf und befanden sich überproportional häufig auf den unteren Kompetenzstufen.

Nur selten kommt in den Schulen der Computer täglich zum Einsatz: 9% der Lehrer gaben an, einen PC täglich im Unterricht zu nutzen, 8% nie. Darüber hinaus werden nur selten entsprechende Fortbildungen wahrgenommen. Nur ein geringer Anteil hat in den letzten zwei Jahren eine Fortbildung besucht. 12% der Schulleitungen gaben an, didaktischen IT-Fortbildungen einen hohen Stellenwert beizumessen. Hinsichtlich der IT- Ausstattung von Schulen zeigt sich, dass Deutschland beim Schüler- Computer-Verhältnis mit einem Wert von 11,6 Schülern pro PC im europäischen Mittelfeld liegt. Allerdings, so die Forscher, seien Länder wie Norwegen mit einem Verhältnis von 2,4 Schülern pro PC deutlich besser aufgestellt.

Fast die Hälfte der Lehrkräfte in der achten Jahrgangstufe gab an, dass die Internetzugänge an Schulen unzureichend sind. Ähnlich fiel das Ergebnis hinsichtlich der Ausstattung aus: 43% arbeiten mit veralteten Rechnern. Auch im Bereich der neuen Technologien liegt Deutschland zurück. Nur 6% der Achtklässler haben im Unterricht Zugang zu einem Tablet-PC – in Australien sind es mit 63% deutlich mehr.

Die Ergebnisse der Studie ICILS 2013 machen auch deutlich, dass die weit verbreitete Annahme, Kinder und Jugendliche würden durch das Aufwachsen in einer von neuen Technologien geprägten Welt automatisch zu kompetenten Nutzern digitaler Medien, nicht zutrifft, schreiben die Autoren. Sie fordern unter anderem, die verbindliche Verankerung dieser Kompetenzen in die Curricula und Lehrpläne aller Schulformen der Sekundarstufe I, Entwicklung von Bildungsstandards sowie von Konzepten für die Primarstufe.

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