Studie: Nachfrage nach Studium ohne Abitur so hoch wie noch nie

Nachfrage nach dem Studium ohne Abitur wächst rasant

Lebenslanges LernenDie Nachfrage nach dem Studium ohne Abitur ist in Deutschland so hoch wie nie zuvor: Laut den jüngsten Zahlen ist die Nachfrage sprunghaft gestiegen und umfasst jetzt einen Anteil von 2,1 Prozent der Studienanfänger(innen). Damit hat sich die Quote der Studienanfänger(innen) ohne Abitur gegenüber 2007 nahezu verdoppelt, so das Ergebnis einer neuen Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Hauptgründe für diesen Aufwärtstrend sind vor allem erleichterte Zugangsbedingungen und die vermehrte Einrichtung von spezifischen Studienangeboten für diese Zielgruppe.

Der Boom beim Studium ohne Abitur wirkt sich in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich aus. So besitzen in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zwischen 2,2 Prozent und 4,2 Prozent aller Studienanfänger(innen) kein Abitur. Mit diesen Quoten nehmen diese Bundesländer im deutschlandweiten Vergleich die drei Spitzenplätze ein. Thüringen, Sachsen und das Saarland bilden mit Anteilen zwischen 0,9 Prozent und 0,4 Prozent hingegen die Schlusslichter.

Verbesserung der Zugangsbedingungen

In den zurückliegenden drei Jahren haben 14 von 16 Bundesländern ihre Zugangsbedingungen zum Studium ohne Abitur deutlich verbessert:

  • So sind Personen mit Meistertitel und ähnlichen hochqualifizierten Berufsbildungsabschlüssen nunmehr Personen mit allgemeiner Hochschulreife gleichgestellt. Das bedeutet, sie können sich für jeden Studiengang an jeder Hochschule ihrer Wahl bewerben.
  • Auch Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und mehrjähriger Berufspraxis haben es nun leichter, den Weg in die Hochschule zu finden. In 16 Bundesländern erhalten sie einen fachlich beschränkten Hochschulzugang, d.h. sie können sich um Plätze in Studienfächern bewerben, die eine fachliche Nähe zu ihrer beruflichen Tätigkeit haben.

Eine Hürde bleibt jedoch bestehen: In allen Bundesländern gibt es trotz der übergreifenden Verbesserungen weiterhin sehr viele unterschiedliche Detail- und Ausnahmeregelungen. Studierwillige ohne Abitur müssen sich entsprechend intensiv durch den Dschungel der Verordnungen wühlen, um über die Sonderkonditionen in den Bundesländern im Bilde zu sein.

Erfolgsfaktoren auf Seiten der besonders nachgefragten Hochschulen sind:

  • Flexible Studienzeitmodelle
  • Umfangreiches Fernstudienangebot
  • Umfangreiche, leicht zugängliche Informationen zum Studium ohne Abitur
  • Berufsbegleitende und/oder praxisnahe Studiengänge
  • Brückenkurse zum Ausgleichen fehlenden Vorwissens
  • Möglichkeit der Anrechnung beruflicher Kompetenzen auf das Studium
  • Möglichkeit, zumindest Teile des Studiums per E-Learning zu absolvieren.

Trotz des neuen Hochs bei der Nachfrage nach einem Studium ohne Abitur sieht Dr. Sigrun Nickel, Projektleiterin beim CHE, noch Verbesserungspotential: “Es zeigt sich, dass immer mehr Universitäten und Fachhochschulen die Durchlässigkeit zwischen Beruf und Studium als eine Profilierungsmöglichkeit entdeckt haben. Diese Initiativen sollten die Bundesländer im Rahmen ihrer Budgetverteilung stärker finanziell fördern. Für Studieninteressierte ohne Abitur fehlen nach wie vor ausreichend Stipendien. Hier ist auch die Wirtschaft gefordert, sich intensiver zu engagieren”.

Studie des CHE “Studieren ohne Abitur: Monitoring der Entwicklungen in Bund, Ländern und Hochschulen”

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