Auch im 12jährigen Gymnasium (G8) Auslandsaufenthalt möglich

Nach der Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Schuljahre fürchten viele Eltern, dass ihre Kindern nun keine Gelegenheit mehr haben, für einige Monate im Ausland zur Schule zu gehen, um ihre Fremdsprachkenntnisse im täglichen Umgang zu vertiefen.

High School YearDiese Sorge ist allerdings unbegründet. Tatsächlich ist auch im G8 ein zeitlich begrenzter Auslandsaufenthalt nach wie vor möglich und von den Lehrern auch durchaus erwünscht. Allerdings gehen die Jugendlichen nun in der neunten oder zehnten Klasse für einige Monate auf eine Schule ins Ausland, da in den beiden letzten Jahren die Oberstufensemester auf die Abiturprüfungen vorbereiten. Wie lange der Auslandsaufenthalt dauern darf, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. In den meisten Regionen ist eine Beurlaubung bis zu einem Jahr möglich. In diesem Fall rücken die Schüler nach ihrer Rückkehr ins deutsche Schulsystem in die nächste Jahrgangstufe vor. Einige Bundesländer beschränken einen Auslandsaufenthalt in der 10. Klasse auf 2 Trimester.

Zu Beginn einer solch umfassenden Schulreform herrscht vieler Orts noch Ratlosigkeit, inwieweit ein Auslandsaufenthalt Probleme für den Wiedereinstieg in das deutsche Schulsystem mit sich bringt. Viele Eltern greifen deshalb auf die Erfahrung von professionellen Beratungsfirmen zurück, die den deutschlandweiten Wechsel von G9 auf G8 seit Jahren verfolgen und mit den örtlichen Schulen, Ministerien und Zeugnisanerkennungsstellen in Kontakt stehen.

Die Qualität der Schule im Ausland entscheidet letztlich, ob der Wiedereinstieg in das deutsche Schulsystem ohne Zeitverlust funktioniert. Bislang haben Erfahrungen mit den ersten G8 Jahrgängen in Norddeutschland gezeigt, dass bei einer sorgfältigen Planung der Auslandsaufenthalt problemlos in das achtjährige Gymnasium integriert werden kann.

Als Motivation für den Besuch einer Schule im Ausland nennen viele Schüler neben dem Streben nach Verbesserung der Fremdsprachenkenntnisse auch den Wunsch, einmal ein anderes Schulsystem kennen zu lernen. Besonders gefragt sind hier Privatschulen und Internate in Ländern wie Großbritannien, den USA aber auch Australien und Neuseeland.

Das ganzheitliche Schulsystem in diesen Ländern bietet eine optimale Verknüpfung von individueller Lernförderung und Herausforderung an. Kleine Lerngruppen und engagierte Lehrer zeigen, dass Schule Spaß machen kann – eine Erfahrung, die vor allem für unsere gestressten G8 Schüler von unschätzbarem Wert ist. Gerade leistungsstarke Schüler genießen das andere Schulsystem. In deutschen Mittelstufenklassen fehlt häufig die Leistungsorientierung und gute Schüler bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück um nicht als Streber zu gelten. Dass gute Noten von den Mitschülern anerkennend beurteilt werden ist häufig eine neue Erfahrung und bringt den Spaß am Lernen zurück.

Aber auch Schülern mit Motivationsproblemen kommen diese Systeme entgegen. Der enge Kontakt mit den Lehrern und die individuelle Förderung verhelfen zu einem völlig neuem Lernerlebnis und viele kommen mit neuem Schwung und deutlich zielstrebiger aus dem Ausland zurück. Sie haben gelernt, sich selbst zu organisieren, werden älter und reifer und gewinnen an Selbstbewusstsein. Diese positive Veränderung im Arbeitshalten begrüßen vor allem Lehrer und Schulleiter und auch deshalb sollen Auslandsaufenthalte während der Schulzeit weiterhin möglich sein. Zu groß sind die Vorteile, als dass man den Schülern die Möglichkeit nehmen möchte, schon frühzeitig internationale Erfahrungen zu sammeln.

Unser Bildungssystem verändert sich im Moment rapide und deutsche Universitäten nähern sich bei Studienprogrammen und Aufnahmeverfahren immer mehr amerikanischen und britischen Hochschulen an. Studienbewerber werden künftig in individuellen Auswahlverfahren auf ihre Eignung geprüft und um an einer Top-Universität unter zu kommen, werden fließende Englischkenntnisse Grundvoraussetzung sein.

Die neuen Bachelor Studiengänge bieten künftig leider kaum Möglichkeiten für Auslandssemester während der Studienzeit. Da die Universitäten die Studieninhalte ihrer Programme weitestgehend selbst bestimmen, werden Seminare und Vorlesungen, die an einer anderen Hochschule erlangt werden, in der Regel nicht anerkannt. Ein weiterer Grund also, den Auslandsaufenthalt bereits in die Schulzeit zu legen.

Durch die doppelten Abiturjahrgänge treffen wahre Fluten von Studienbewerber auf unsere Universitäten. Diese warnen schon jetzt, dass unmöglich alle aufgenommen werden können. Alternativ wird empfohlen, doch ein Studium im Ausland in Erwägung zu ziehen.

Um bessere Voraussetzungen für ein internationales Studium zu haben, entscheiden sich  immer mehr Schüler, die letzten beiden Schuljahre im Ausland zu verbringen um dort das Internationale Baccalaureate (IB) zu absolvieren. Dieser Schweizer Schulabschluss genießt international höchstes Ansehen und wird auch in Deutschland als allgemeine Hochschulreife anerkannt. IB Internate bieten neben einem hervorragendem akademischen Niveau eine optimale Vorbereitung auf die Anforderungen wissenschaftlichen Arbeitens an der Universität. Besonders gefragt sind hier Schulen in der Schweiz und in Großbritannien.

Wer ein Schuljahr im englischsprachigen Ausland, sei es auf einem Internat in England oder einer Boarding School in den USA, Australien oder Neuseeland, verbringen möchte, sollte bereits zu Beginn der 9. Klasse mit der Bewerbung beginnen. Dabei spielt das Zeugnis der achten Klasse eine wichtige Rolle, denn dieses entscheidet über Auswahl und Aufnahme an den Schulen. Viele Eltern sind vom plötzlichen Ehrgeiz und Tatendrang ihrer Sprösslinge überrascht, wenn es darum geht, an ihrer Traumschule genommen zu werden. Wenn mit so viel Schwung gestartet wird, verspricht des Auslandsaufenthalt ein voller Erfolg zu werden. 

Gastautorin: Ulrike Riedenauer ist Geschäftsführerin der Internationalen Schulberatung Riedenauer Education und berät seit 12 Jahren Familien zum Thema Auslandsaufenthalte

One thought on “Auch im 12jährigen Gymnasium (G8) Auslandsaufenthalt möglich

  1. Dieser Beitrag verdient sich bei mir ein dickes, sehr dickes Lob!
    Alle Sachverhalte was G8-Gymnasiasten und deren zukünftige Anforderungen an einen Job betrifft werden klar und deutlich benannt.
    Was nicht benannt wird ist, das die Kosten für einen einjährigen Auslandsaufenthalt eines Spröslings schnell mal 4-10T€ betragen können. So manches Elternteil rechnet diese Summe hier mal zunächst in Raummeter Brennholz um und entscheidet sich dann für eine warme Wohnung im Winter!
    Wo lassen sich denn Angebote finden, bei denen die Kinder nachher “well educated” sind und die Eltern während dessen nicht “frieren” mussten?

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