Traumberuf Psychotherapeut: Reform und Unsicherheit

Orientierungsberater Andreas Peez

Christoph W. aus Berlin steckt mitten im Studium der Erziehungswissenschaften. Er ist ein guter Student; das Studium macht ihm Spaß. Doch Pädagoge möchte er gar nicht werden: Sein Traumberuf, wie für viele andere auch, ist der des Psychotherapeuten. Anderen Menschen helfen, selbstständig in der eigenen Praxis arbeiten und dennoch die finanzielle Sicherheit über die Abrechnung mit den Krankenkassen genießen – das hat ihn schon immer gereizt, seit er als Jugendlicher selbst eine Zeitlang beim Therapeuten war. Doch neuerdings ist Christoph sehr verunsichert: Wird er seinen Plan überhaupt verwirklichen können? Denn das Psychotherapeutengesetz soll doch reformiert werden.

Orientierungsberater Andreas Peez aus München hat ähnliche Fälle wie Christoph aktuell vermehrt in seiner Beratungspraxis. Er klärt auf: „Das derzeitige Psychotherapeutengesetz stammt aus dem Ende der 90erjahre, als man noch auf Diplom studierte. Es ist schon lange nicht mehr kompatibel mit den heutigen Studienabschlüssen und hat in den letzten Jahren zu immer mehr Unsicherheiten und Graubereichen geführt. Es ist also dringend reformbedürftig.“

Doch die aktuellen Reformpläne werfen im Augenblick noch mehr Fragen auf als sie Antworten liefern. Bisher, so die grobe Struktur, konnten Absolventen eines universitären Masterabschlusses in klinischer Psychologie nach einer mehrjährigen Aufbauweiterbildung die Approbation als psychologischer Psychotherapeut erlangen – Voraussetzung für einen Kassensitz oder anspruchsvolle Positionen im klinischen Bereich. Pädagogen und Sozialpädagogen konnten nach ihrem Studium einen ähnlichen Weg einschlagen, waren jedoch auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen beschränkt.

Künftig soll es eigene Studiengänge in Psychotherapie geben, neben dem klassischen Studium der Psychologie. Nach Abschluss des Masters in Psychotherapie soll man bereits die Approbation in der Tasche haben. Doch das wird dennoch nicht bedeuten, dass diese Studienabsolventen dann gleich als niedergelassene Psychotherapeuten arbeiten können – für die Kassenzulassung brauchen sie aufbauend auf ihr Studium weiterhin Zusatzausbildungen, während derer sie sich auch auf ein Therapieverfahren spezialisieren müssen. Orientierungsberater Andreas Peez ergänzt: „Der Weg zum Psychotherapeuten wird weiterhin ein langer sein, nur dass man sich jetzt schon nach dem Abitur verbindlich dafür entscheiden soll, während man bislang noch Zeit während des Studiums hatte, sich zwischen verschiedenen beruflichen Wegen zu entscheiden.“

Ursprünglich sollte die Reform schon zum Wintersemester 2020 in Kraft treten, nun wird sich der Prozess wohl noch etwas länger hinziehen. Und viele Fragen bleiben offen, z. B. was mit dem klassischen Psychologiestudium passiert? Wenn damit der Weg zum Beruf des Psychotherapeuten erschwert oder versperrt wird, wird es wohl deutlich an Attraktivität verlieren.

Ein anderer Punkt, der Christoph W. und etliche seiner Kommilitonen jedoch am meisten beschäftigt, ist: Was passiert mit denen, die sich bereits im Studium befinden oder es kürzlich beendet haben? Derzeit ist nicht im Gespräch, dass Pädagogen und Sozialpädagogen künftig weiterhin eine Approbation als Psychotherapeut erlangen können. Man spricht von großzügigen Übergangsfristen für diese Personen. Doch solange keine Klarheit herrscht, müssen sich Betroffene wie Christoph wohl gedulden und das Beste hoffen.

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